36 Prozent aller Neueinstellungen befristet

36 Prozent aller Neueinstellungen befristet

Infolge der Corona-Pandemie tragen neu eingestellte Beschäftigte in Nürnberg ein besonders hohes Risiko. Im vergangenen Jahr hatten 36 Prozent aller Neueinstellungen in der Stadt ein Verfallsdatum. Darauf weist die Gewerkschaft IG Bau Mittelfranken hin. Demnach waren im zweiten Quartal 2020 von rund 16.000 neuen Arbeitsverträgen etwa 5.900 befristet. Die IG Bau bezieht sich auf eine aktuelle Auswertung des gewerkschaftsnahen Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

„In der Corona-Krise können Befristungen für die Betroffenen leicht zur Falle werden, wenn Unternehmen solche Stellen nicht mehr verlängern“, sagt Iris Santoro, Bezirksvorsitzende der IG BAU Mittelfranken. Nach Beobachtung der Gewerkschafterin sind befristete Stellen in Branchen wie der Gebäudereinigung und der Landwirtschaft stark verbreitet.

Arbeitgeber nutzen eine Befristung gern als flexibles Instrument in unsicheren Zeiten. Die IG Bau will dagegen politisch Befristungen ohne einen sogenannten Sachgrund einzudämmen. Als Sachgründe gelten etwa eine Schwangerschaftsvertretung oder eine Probezeit. Ein aktueller Gesetzentwurf von Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sieht vor, dass sachgrundlose Befristungen künftig nur maximal 18 anstatt bisher 24 Monate andauern dürfen. In diesem Zeitraum sind demnach nur noch einmal statt wie bisher dreimal befristete Verlängerungen möglich. Außerdem gelten dann in Betrieben mit mehr als 75 Beschäftigten eine Obergrenze von höchstens 2,5 Prozent mit Befristungen.

Bundesweit lagen nach Angaben des WSI im zweiten Quartal des vergangenen Jahres bei gut 39 Prozent. Damit fällt der deutsche Durchschnitt bei befristeten Neueinstellungen sogar noch etwas höher aus. In der Altersgruppe bis 25 Jahren hatten – ohne Azubis – knapp 51 Prozent aller neu abgeschlossenen Verträge ein Ablaufdatum. Frauen sind häufiger von Befristungen betroffen als Männer.

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Beitragsbild: IG Bau