Handwerk: Satte Aufträge aber kein Material

Handwerk: Volle Auftragsbücher aber kein Material

Die Wirtschaft kämpft derzeit mit fehlendem Material und Rohstoffen. Besonders betroffen ist beispielsweise das mittelfränkische Handwerk, dass über volle Auftragsbücher verfügt, aber kein Material hat. Stellvertretend nennt die Handwerkskammer für Mittelfranken das Bau- und Ausbaugewerbe. Dort stapeln sich die Aufträge, allerdings ist die Beschaffung der Materialien äußerst schwierig. Holz, Stahl, Dämmstoffe und noch vieles mehr sind knapp und nur noch schwer zu bekommen. Da es sich um ein bundesweites und teils weltweites Phänomen handelt, schießen in vielen Bereichen die Preise durch die Decke.

Die Gründe für den Mangel auf breiter Front sind vielfältig. Teils kommen die Lieferketten mit der boomenden Konjunktur nicht zurecht. Vor den großen Häfen rund um den Globus stauen sich die Frachter. Aber auch die Folgen des Klimawandels tragen zu den Verwerfungen bei.

So hat sich beispielsweise beim Extremfall Holz der Preis seit letztem November um 300 Prozent erhöht. Denn große Kontingente des in Deutschland geernteten Holzes kaufen China und die USA auf. Die milliardenschwere Konjunkturprogramme der US-Regierung befeuern noch den US-Bauboom. Gleichzeitig leidet dort der Holzmarkt an verheerenden Waldbränden in Kalifornien und der Handelsstreit mit dem benachbarten Kanada. Dort wiederum grassiert der Borkenkäfer und ebenfalls durch die außergewöhnliche Hitzewelle ausgelöste Waldbrände. So importieren die USA 42 Prozent mehr Nadelschnittholz aus Deutschland als noch 2019.

Verzögerungen auf der Baustelle

Von den Lieferverzögerungen berichtet beispielsweise die Zimmerei Gebhard aus Feucht. Vor Corona konnte Firmenchef Markus Bauer seine benötigten Dachlatten direkt vom Lager mitnehmen. „Dieses Jahr mussten wir die Dachlatten bestellen und haben eineinhalb Monate auf sie gewartet.“ Teilweise könnten seine Lieferanten selbst nicht sagen, ob das Material geliefert werden kann und wann. Ähnliche Erfahrungen macht Kollege Christian Ott, Inhaber der Zimmerei Holzbau Ott aus Stein. „Für einen Kindergarten, der im September dieses Jahres eröffnet werden soll, haben wir das benötigte Material im Februar bestellt. Im Mai wurde der Auftrag bestätigt, das Material soll im August geliefert werden… – wenn überhaupt.“

Zudem können die Betriebe die gestiegenen Materialpreise, die im Vertrag mit den Bauherren festgelegt sind, nur sehr schwer oder gar nicht an die Bauherren weitergeben. Schlimmstenfalls bleiben sie auf den Mehrkosten sitzen, manchem Betrieb könnte das die Existenz kosten. Die vermehrten Lieferschwierigkeiten führt laut Handwerkskammer zu einer paradoxen Situation. Betriebe mit vollen Auftragsbüchern aber ohne Material müssen Kurzarbeit anmelden.

Deutsche Regularien bremsen zusätzlich

Aber auch die deutsche Verwaltung trägt ihren Teil dazu bei. Unter den exportierten Hölzern befindet sich auch das sogenannte Kalamitätsholz, also Hölzer, deren Nutzung wegen Schädlingsbefall (Borkenkäfer) in Deutschland nicht erlaubt ist. Dabei erfüllt dieses Schadholz alle gültigen Normvorschriften, nur optisch ist das Holz eigeschränkt. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken: „Es ist leider mal wieder ein Beispiel für sinnlose Bürokratie. Brauchen wir insbesondere in Zeiten von Rohstoffmangel Arbeitstreppen in Rohbauten aus 1a Holz oder darf‘s nicht auch Holz mit Blaustich sein, das allen Arbeitsschutzanforderungen genügt? Hier fehlt es an Realitätssinn.“ Selbst eine simple Dachlatte kostet mittlerweile 1,80 Euro pro laufendem Meter, im letzten Jahr waren es noch 50 Cent.

nue-news: Handwerk mit goldenem Boden