Handwerk leidet trotz guter Lage an Rohstoffmangel

Baubranche stärkt mittelfränkisches Handwerk

Das mittelfränkische Handwerk setzt auch im dritten Quartal 2021 seine Aufholbewegung weiter fort. Die Handwerkskammer für Mittelfranken (HWK) spricht von einer „Plateauphase“. Richtig aufwärts geht es nicht mehr, weil knappes Material und steigenden Preise für Rohstoffe das Geschäft häufig ausbremsen. Insgesamt zeige sich das Handwerk mit seinen fast 22.000 Betrieben allerdings als „stabiler Anker“, konstatiert HWK-Präsident Thomas Pirner.

Im Detail beurteilen 47 Prozent der befragten Betriebe ihre wirtschaftliche Situation als gut. 38 Prozent beschreiben ihre Lage als befriedigend. 15 Prozent der Handwerkschefs beurteilen ihr Geschäft als schlecht. Stimmungsbremse sind für drei Viertel der Betriebe Probleme bei der Beschaffung in den letzten vier Wochen. Dazu tragen die derzeitigen Klassiker Holz und Dämmstoffe sowie Elektronikteile und Metalle bei. Aber auch im Kunststoffbereich, etwa bei Dämmmaterial oder Erdölprodukten, sorgt die Knappheit für steigende Preise.

Der Materialmangel verkürzt über alle Gewerke hinweg das Auftragspolster auf nunmehr 9,4 Wochen. Das ist sowohl gegenüber dem Vorquartal als auch gegenüber dem Vorjahres-Quartal ein Minus. Diese Entwicklung liegt laut HWK-Hauptgeschäftsführer Elmar Forster „nicht an weniger Aufträgen, sondern am Materialmangel“. Firmen mit Holz am Bau könnten etwa ihre Angebote preislich nicht mehr einhalten. Trotz der guten Nachfrage würden teils keine Aufträge mehr angenommen, weil „3 Monate später alles 20 Prozent teurer ist“, erklärt Forster. Selbst Elektriker kämen nur noch schwer an Sicherungskästen aus Plastik ran.

Gewerke mit unterschiedlichen Trends

In den einzelnen Branchen des Handwerks sieht es unterschiedlich aus. Im Bauhaupt- sowie im Ausbaugewerbe ist die Lage trotz vieler Unsicherheiten überdurchschnittlich gut. Das Kraftfahrzeughandwerk befindet sich mit Blick auf die E-Mobilität unter deutlichem Transformationsdruck. Zudem sorgen Lieferengpässe bei den Mikrochips für Verzögerungen. Das Lebensmittelhandwerk bleibt auf dem Pfad der Erholung. Ähnlich sieht es bei den Sparten Gesundheit und persönliche Dienstleistungen aus, wo sich die Geschäftslage ebenfalls verbessert. Im dritten Quartal war allerdings auch noch nichts bekannt von den neuen Corona-Regeln angesichts hoher Inzidenzen.

Zusätzlich beklagt Forster die steigenden Energiekosten. Dabei „ärgert mich“ insbesondere die vielen Ausnahmeregelungen für tatsächliche und vermeintliche Großstromverbraucher. Kleine Handwerksbetriebe würden hohe Mehrkosten aufgebürdet. Außerdem sieht Pirner in den nächsten zwei Jahren zusätzliche Probleme bei Nachwuchs und Fachkräften.

nue-news.de: Bewerbermangel bremst Ausbildungsmarkt, nue-news.de: HWK diagnostiziert Erholung