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Bewerbermangel bremst Ausbildungsmarkt

IAB stellt nur einen kleinen Zusammenhang zwischen Beschäftigungsquoten und sozialen Transferleistungen fest

Für das aktuelle Ausbildungsjahr 2021/22 schlossen die ausbildungsberechtigten Betriebe 17 Prozent weniger Ausbildungsverträge ab. Als Vergleichsjahr dient das Vor-Corona-Ausbildungsjahr 2019/20. Das zeigt eine Betriebsbefragung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Demnach sind für knapp die Hälfte der betroffenen Betriebe fehlende Bewerbungen der Hauptgrund für unbesetzte Lehrstellen. Von pandemiebedingten Einschränkungen beim Ausbildungsplatzangebot berichten dagegen inzwischen nur noch wenige Betriebe.

Einen Mangel an geeigneten Bewerbungen geben Betriebe mit weniger abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit 31 Prozent als zweithäufigste Ursache für gesunkene Neuverträgen an. Insbesondere größeren Betrieben fehlten laut Befragung geeignete Bewerbungen.

Insgesamt boten 36 Prozent der ausbildungsberechtigten Betriebe für das Ausbildungsjahr 2021/22 Lehrstellen an. Tatsächlich konnten davon nur 61 Prozent auch Ausbildungsplätze besetzen. Der Anteil unbesetzter Lehrstellen an allen angebotenen Lehrstellen liegt in kleineren Betrieben bei 49 Prozent. Das ist fast doppelt so hoch wie in größeren Betrieben. Mit Blick auf einzelne Branchen tun sich vor allem Baugewerbe, aber auch Groß- und Einzelhandel schwer, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen.

„Es gilt zuallererst, Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt besser zusammenzuführen“, so IAB-Direktor Bernd Fitzenberger. „Praktika sowie die von der Bundesagentur für Arbeit geförderte Einstiegsqualifizierung sollten verstärkt angeboten beziehungsweise genutzt werden. Zugleich müssen womöglich auch neue Wege, beispielsweise über die sozialen Medien, beschritten werden, um das Interesse der Jugendlichen für eine betriebliche Ausbildung zu wecken.“

Auch regionaler Azubismarkt im Minus

Für den Großraum konstatiert auch die IHK Nürnberg für Mittelfranken für Januar bis Oktober 2021 einen Rückgang bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen von 2,9 Prozent. Damit registrierte die IHK nur noch 7.115 neue Ausbildungsverträge. Gleichzeitig fiel die Besetzungsquote von 87 Prozent im letzten Jahr auf unter 80 Prozent. „Unsere Ausbildungsbetriebe suchen noch dringend nach Nachwuchs. Ausbildungsplätze sind schlichtweg unbesetzt, weil keine Bewerbungen eingegangen sind. Viele Betriebe würden auch dieses Jahr noch Azubis einstellen“, so Stefan Kastner, Leiter des Geschäftsbereichs Berufsbildung. 72 Prozent der mittelfränkischen Betriebe gaben als häufigsten Grund für eine Nichtbesetzung nicht geeignete Bewerber an. Bei 62 Prozent gab es keine Bewerber.

Bei der Handwerkskammer für Mittelfranken liegt die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge mit insgesamt 3.236 Verträgen leicht über dem Niveau des Coronajahres 2020. Gegenüber 2019 zeigt sich allerdings ein Rückgang um rund 6 Prozent. Hauptgeschäftsführer Elmar Forster, betont: „Die Berufsorientierung ist während der Coronapandemie deutlich zu kurz gekommen. Das Handwerk lebt davon, dass es von den Schülern unmittelbar erlebt wird.“

faz.net, nue-news: IHK-Azubis dringend gesucht

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