Wünsch dir was: Kein Verbrennerverbot

Wünsch dir was: Kein Verbrennerverbot

Bei des Deutschen liebstes Kind hört der Spaß auf. Nach dem Prinzip Wünsch-dir-was kam bei einer Umfrage des Marktforschers Civey für den Tagesspiegel heraus: Die Mehrheit will kein Verbrennerverbot. Darüber berichteten auch die Nürnberger Nachrichten. Mit Blick auf die Bundestagswahl sprach sich ein Fünftel der Befragten für ein Ende von Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2030 aus. Aber über 55 Prozent lehnten demnach jedes zeitliche Limit ab.

Tatsächlich schlug jüngst auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) angesichts der geplanten Abgasnorm Euro 7 Alarm. Neue Verschärfungen kämen faktisch einem Verbot des Kolbenmotors gleich. Gleichzeitig überraschte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vor kurzem, ein Aus von Benziner und Diesel im Jahr 2035 sei denkbar. Zuvor hatte schon Jaguar angekündigt, ab 2025 nur noch vollelektrische Pkws zu bauen, Ford und Volvo nennen das Jahr 2030. BMW will ab 2024 keine Verbrennungsmotoren mehr in Deutschland bauen. Audi entwickelt keine neuen Benzin- und Dieselmotoren mehr und Daimler will sein vollelektrisches Jahresziel 2039 vorziehen. Der Volkswagenkonzern nennt bislang noch kein Zieljahr, allerdings wird er bereits als weltgrößter Hersteller von Elektrofahrzeugen im Jahr 2025 gehandelt.

Abgasnorm Euro 7

Die diskutierten Eckdaten der Abgasnorm Euro 7 haben es tatsächlich in sich. Ab voraussichtlich 2025 dürfte ein Neuwagen nur noch 30 Milligramm pro Kilometer Stickoxid (NOx) ausstoßen. Andere Szenarien sehen sogar nur noch 10 mg/km vor. Beim Ausstoß an Kohlenmonoxid (CO) könnten die Werte bei Benzinern zusätzlich halbiert und bei Diesel-Autos sogar gedrittelt werden. Außerdem ist beim derzeitigen RDE-Test (Real Driving Emissions) von Verschärfungen die Rede.

Die Automobilhersteller stehen bereits seit letztem Jahr wegen verschärfter CO2-Flottengrenzwerte unter Druck. Erlaubt sind über alle neu zugelassenen Typen eines Pkw-Herstellers hinweg ein Flottenverbrauch von durchschnittlich 95 g CO2/km. Liegt der Flottenverbrauch zu hoch, drohen Milliarden-Strafen von der EU. Die Europäische Union fordert pauschal 95 Euro Strafe pro Gramm CO2-Überschreitung und pro Auto.

Allerdings gelten für die Flottenemission 2020 zahlreiche Ausnahmen. 5 Prozent der Neuwagen mit den höchsten Emissionen fallen aus der Bewertung heraus. Außerdem hängt der 95 g-Grenzwert zusätzlich vom durchschnittlichen Leergewicht der verkauften Autos ab. Zusätzliche „Supercredits“ belohnen Null- und Niedrigemissionsfahrzeuge in der Herstellerflotte. Auch Öko-Innovationen lassen sich auf die Flottengrenzwerte anrechnen.

tagesspiegel.de

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