Immobilien-Investments in Warteposition

Nürnberger Immobilien-Investments in Warteposition

Zum Halbjahr sieht die Nürnberger Immobilienberatung Küspert & Küspert die Immobilien-Investments in der Noris in einer Warteposition. „Die Stimmung ist durchwachsen“, konstatiert Wolfgang P. Küspert. Insbesondere durch die Zinswende in den USA bekommt nun das Betongold für Investoren deutliche Konkurrenz durch US-Staatsanleihen, die fast in ähnlicher Höhe rentieren. Zu den Zinsen kommt eine generelle Unsicherheit über die weitere, wirtschaftliche Entwicklung. Dadurch befänden sich nun Bauträger und Projektentwickler in einer „Beobachtungsphase“, also in einer abwartenden Haltung bei jeglichen Überlegungen zu weiteren Ankäufen.

In dem Segment Hotellerie ist seit der Covid-19-Pandemie die Baulust stark gebremst. Angesichts der fast 20.000 Betten und sich nur langsam erholenden Übernachtungszahlen sieht er aktuell nur Fertigstellungen, aber keine Neubaupläne.

Auch der Büromarkt befindet sich aktuell er in einer Phase der Neusortierung. Angesichts von Home-Office und neuen Arbeitsformen wandelt sich die Nachfrage. Flexible Modelle bei mobiler Arbeit verlangen in den Büros andere Bürokonzepte mit mehr Kommunikationsflächen.

Auch im Einzelhandel befinden sich die bisher bewährten Konzepte im Wandel. Teils würden die Mieten „um bis zu 30 Prozent“ nach unten gedrückt. Die Entwicklung ist unter anderem noch von den Lockdown-Phasen geprägt, die nun auch wieder zu mehr Gastronomie und auch Supermärkte in der Stadt führt. „Das ist schön für die Aufenthaltsqualität, aber führt zu geringeren Mieteinnahmen.“ Außerdem sorgt der weiter anhaltende Vormarsch des Online-Shoppings für eine Verlagerung der Umsätze von der Ladenfläche weg ins Internet. „Die klassische Ladenfläche wandelt sich zum Showroom“, beobachtet Küspert. Er sieht noch kein Ende dieser Entwicklung. In diesem Kontext würden auch wieder mehr Wohnungen oder Büros in der Innenstadt angeboten, teils auf Flächen, die bislang wegen üppiger Ladenmieten gar nicht vermietet wurden.

In Summe fällt Küsperts Halbjahresbilanz durchwachsen aus. „Es gibt Herausforderungen auf breiter Strecke.“ Ob bis Jahresende die Investments in den Standort Nürnberg erneut zumindest die Milliardenmarke knacken, lässt er offen. „Das kann schon sein, aber das ist nicht ganz leicht.“

2021 verdrängt Büro-Investmments von der Spitze

In Zeiten von Home-Office und unsicherer Perspektiven verlor das Segment Büroimmobilien im vergangenen Jahr seine langjährige Spitzenstellung bei den Investments an das Segment Wohnen. Mit 525 Millionen Euro kamen Residential Investments – also große gewerbliche Wohnprojekte ohne privaten Eigenheimbau – auf knapp 38 Prozent des gesamten Transaktionsvolumens. Das Office-Segment brach auch wegen fehlender Objekte um weit mehr als die Hälfte auf rund 286 Millionen Euro ein. Hohe Nachfrage bei weiterhin mangelnden Angeboten charakterisierte 2021 den Bereich Industrie und Logistik: Hier wurde ein Volumen von circa 35 Millionen Euro realisiert. Wenig nachgefragt waren die Segmente Einzelhandel (98 Millionen Euro) und Hotel (weniger als 10 Millionen Euro). Ein außergewöhnlich hohes Investmentvolumen erzielten Grundstücke für Projektentwicklungen: Hier hatten sich die Käufe mit 441 Millionen Euro mehr als verdoppelt.