Inflationsrate in Bayern bei 3,8 Prozent

Statistiker sehen Pandemie nicht als Insolvenztreiber

Die Verbraucherpreise in Bayern stiegen im Juli 2021 im Vergleich zum Juli des Vorjahres deutlich um 3,8 Prozent. Das teilt das Bayerische Landesamt für Statistik aus Fürth mit. Demnach legten im Vergleich zum Vorjahr die Preise bei Heizöl besonders deutlich um fast 52 Prozent zu. Bei Kraftstoffen lag der Anstieg bei gut 23 Prozent zu. Ohne diese beiden Preistreiber hätte die Inflationsrate immerhin noch bei 3,0 Prozent gelegen. Die sogenannte Kerninflationsrate, also der Gesamtindex ohne Nahrungsmittel und Energie, betrug 2,9 Prozent.

Im zweiten Halbjahr 2021 fällt die Inflationsrate, gemessen als prozentuale Veränderung des Verbraucherpreisindex gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat, höher aus. Grund ist die temporären Mehrwertsteuersenkung in der zweiten Jahreshälfte 2020. Die Statistiker sprechen hierbei von einem Basiseffekt, da der Grund in der durch die Mehrwertsteuersenkung niedrigeren Vergleichsbasis liegt. Die genaue Höhe des Basiseffekts ist nur schwer zu benennen. Einerseits waren im letzten Jahr nicht alle Waren und Dienstleistungen im gleichen Maße von der Mehrwertsteuersenkung betroffen. Andererseits sorgt beispielsweise die neue CO2-Bepreisung für zusätzliche Preiseffekte.

Bundesweit gibt das Statistische Bundesamt die vorläufige Inflationsrate für Juli im Vorjahresvergleich mit knapp 4 Prozent an. Das ifo-Institut macht sich allerdings mehr Sorgen um die gebremste wirtschaftliche Erholung. Trotz voller Auftragsbücher verschärfen sich die Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten. So gaben im Juli fast zwei Drittel der deutschen Industrieunternehmen an, durch einen Mangel an Vorprodukten in ihrer Produktion behindert zu sein. Aber auch die Aussichten bei den Dienstleistern und im Handel haben sich zuletzt eingetrübt.

Der Anstieg der Verbraucherpreise dürfte sich in den kommenden Monaten weiter auf über 4 Prozent beschleunigen. Aber ab Anfang kommenden Jahres geht die Inflationsrate allmählich wieder zurück in Richtung 2 Prozent. „Insofern gibt es für die Europäische Zentralbank derzeit noch keinen Anlass die geldpolitischen Zügel zu straffen“, sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der ifo Konjunkturprognosen.