Die schwache Konjunktur bremst auch das Geschäft des Nürnberger Technologie- und Rüstungskonzerns Diehl. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025 sorgte aber erneut die große Nachfrage nach Verteidigungsgütern für eine erneut rasante Entwicklung. Sowohl die Bundeswehr als auch andere europäische NATO-Ländern füllen angesichts der russischen Bedrohung ihre Arsenale auf. Die Ukraine verteidigt sich gegen Luftangriffe mit zehn IRIS-T-Systemen. Aber auch Saudi Arabien setzt auf deutsche Abwehrtechnik. So legte der Umsatz des Teilkonzern Defence um eine halbe Milliarde Euro zu und verbuchte zum Jahresende ein Geschäft von 2,3 Milliarden Euro.In Summe legte der Konzernumsatz um 725 Millionen Euro (15, 4%) auf 5,4 Milliarden Euro. Unterm Strich verblieben als Jahresüberschuss 492 Millionen Euro übrig, 150 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.
Mit dieser Entwicklung setzt sich das Ungleichgewicht der fünf Teilkonzerne weiter fort. Das Verteidigungsgeschäft macht einen Anteil von rund 43 Prozent aus. Das Konzerngeschäft als einer der großen internationalen Luftfahrtzulieferer mit Diehl Aviation kommt auf über ein Viertel das Gesamtumsatzes. Diese Sparte verbuchte erneut ein Umsatzplus 1,4 Milliarden Euro (+13%). Vor fünf Jahren, in ersten Pandemiejahr, lag Defence bei 571 Mio. Euro und Aviation bei 880 Mio. Euro. Konzernfinanzchef Jürgen Reimer, bis Ende August noch Sprecher des Vorstands, wertet es trotzdem als „eine positive Entwicklung“. Strategisch wolle man aber die anderen Bereiche mitwachsen lassen. „Eventuell werden wir auch neue Geschäftsfelder erschließen.“ Bei der Vorlage der Bilanzzahlen sei aber noch nichts spruchreif gewesen.
Blick in Teilkonzerne
Die Sparte Diehl Metering (520 Mio. Euro) sieht sich mit seinem Geschäft rund um intelligente Wasserzähler im weltweiten Markt unter den Top 3. Im europäischen und globalen Markt rückt das Thema Wasser immer mehr in den Fokus und werde verstärkt zur kritischen Infrastruktur gerechnet. Das sorgt für steigende regulatorische und sicherheitstechnische Anforderungen und damit wiederum zu mehr Bedarf an intelligenten, nachhaltigen und resilienten Lösungen.
Diehl Controls leidet an der anhaltenden Schwäche in den Hauptmärkten der Weißen Ware und der Kälte- und Klimatechnik (HVAC/R). Mit einem Umsatz von 382 Mio. Euro war das Geschäft trotzdem weitgehend stabil. In China bremst die Immobilienflaute die Ausstattung der Wohnungen. Das europäische und insbesondere deutsche Geschäft für Wärmepumpen leidet an unklaren Politikvorgaben.
Mit einem kleinen Plus auf 743 Mio. Euro schloss der Teilkonzern Metall sein Berichtsjahr ab. Mit dieser Sparte bedient der Konzern unter anderem Bau- und Sanitärmärkte, den schwächelnden Automotive-Sektor inklusive Elektro- und Hybridfahrzeuge. Die Ausstattung der Röthenbacher Gießerei unter anderem durch eine neue 4-MW-Photovoltaikanlage deckt künftig einen beachtlichen Anteil des Energiebedarfs ab.
Insgesamt klagt der Konzern über „Herausforderungen“ beim Rohstoffeinkauf. „Es bleibt schwierig, sich mit Material zu versorgen“, konstatierte etwa Christof Bosbach für die Sparte Metering. Längst sind nicht nur Seltene Erden am Weltmarkt schwer zu bekommen. China und die USA rüsten bei der Herrschaft über Rohstoffe und Lieferketten kräftig auf. Dabei geht es nicht mehr um einen marktwirtschaftlichen Machtkampf, sondern um eine politische Vorherrschaft.
Der Diehl-Konzern profitiert auf der Personalseite von den Sparprogrammen der Automobilindustrie. Der Großteil der knapp 770 neuen Mitarbeiter bekam in Deutschland bei Defence oder Aviation einen neuen Job. Weltweit beschäftigte die Diehl-Gruppe zum Jahresende insgesamt 19.449 Mitarbeiter. In Deutschland waren zum Stichtag 13.078 Personen beschäftigt, davon 4.664 – inklusive 142 Azubis – in Mittelfranken.
Im September übernimmt Cornelius Weitzmann als neuer Vorstand das Ressort Strategie und Technologie. Außerdem übernimmt der Industriemanager die Rolle des Vorstandssprecher, dass Reimer bis dahin interimsmäßig führt.
