Bundesbank: Transformation wird teuer

Bundesbank: Transformation wird teuer

Das vermeintliche Abklingen der Corona-Pandemie und Lockerungen im Vorfeld der Bundestagswahl verleiten zur trügerischen Entspannung. Denn ein Anknüpfen an die Vor-Corona-Zeit und ein „Weiter-so“ führen in die Sackgasse. „Corona hat uns – erzwungenermaßen – den Umgang mit disruptiven Veränderungen nahegebracht“, konstatiert Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. Diese „disruptive Veränderungen werden unsere Wirtschaft und damit auch das Bankgeschäft weiter prägen“. Diese Transformation der Realwirtschaft wird teuer.

Wuermeling greift die `gigantische Summen´ der Bundeskanzlerin auf, die für den Strukturwandel Post-Corona, die Digitalisierung und die Dekarbonisierung notwendig werden. Er illustriert die Transformationsfinanzierung am Beispiel des zusätzlichen Investitionsbedarfs der öffentlichen Hand. Die Zusatzkosten allein für die Digitalisierung zwischen 2020 und 2030 in Deutschland liegen Schätzungen zufolge bei 45,7 Milliarden Euro – „und zwar jährlich“.

Ähnlich sieht es der Bundesbank-Vorstand beim Thema Nachhaltigkeit. Auch hier stünden allein bei der öffentlichen Hand Investitionen im zweistelligen Milliardenbereich an, um die Klimaziele zu erreichen. Auch sie sind in der Finanzplanung für die kommenden Jahre `momentan nicht hinreichend berücksichtigt sind´, greift er eine Einschätzung der Denkfabrik Agora Energiewende auf.

Deutsche Banken sieht er für die Transformationsfinanzierung noch nicht gut aufgestellt. Anders als im altbekannten Firmenkundengeschäft beschert die Finanzierung der digitalen und klimaneutralen Transformation neue Risiken und andere Zeithorizonte. „Das könnte den Risikoappetit und die Risikotragfähigkeit einer Bank schnell überschreiten.“ Auch die Zeithorizonte für die Rentabilität disruptiver Investitionen und damit die Laufzeit der Kredite können deutlich länger sein als beim klassischen Geschäft.