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Bei CôCô-Gastro auf den Geschmack kommen

Gastro-Dachmarke CôCô mit immerhin 40 Azubis

Bei den kaufmännischen Berufen rangieren die Gastroberufe eher im unteren Mittelfeld. Das trifft bezogen auf die jüngsten Neuverträge für eine Ausbildung zur Fachkraft für Gastronomie und zum Koch. Ganz vorn rangieren die angehenden Verkäufer und am Ende findet sich der Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement. In Küche und Service liegt die Abbrecherquote hoch. Geteilte Dienste und ein rauer Ton zwischen Töpfen und Pfannen sorgen häufig für Frust. Ganz anders ist es bei der Nürnberger Nguyen und Pham GbR mit ihre Gastro-Dachmarke CôCô. Dort liege die Abbrecherquote von immerhin 40 Azubis im kleinen einstelligen Bereich, berichtet einer der Geschäftsführer der fünfköpfigen GbR, Tony Chau.

Der Nachwuchs kommt überwiegend aus Vietnam und Togo. Vietnamese Chau, der als neunjähriger mit seiner Mutter nach Deutschland kam, kümmert sich selbst von Anfang an. Es beginnt mit den Vorstellungsgesprächen und endet mit der täglichen Betreuung. Außerdem bietet die Gastrogruppe auch eigene Mitarbeiterwohnungen. Für den jüngst eröffneten Standort in Dinkelsbühl gibt es Platz für 30 Beschäftigte. Dort findet sich im Dinkelsbühler Kinokomplex das CôCô / Osmo Restaurant by Visoplex und einen Bowlingspark für gut 300 Gäste.

Chau selbst ist ein „Kind der Gastronomie“ und hat es gelernt, sich durchzuboxen. Als er nach Deutschland kam, konnte er kein Wort deutsch. 2024 entscheidet er sich, gemeinsam mit vier Partnern groß in die Gastronomie einzusteigen. „Man kann es allein schaffen, aber wir wollen jedes Jahr ein neues Restaurant eröffnen“, begründet er. Trotz Coronakrise habe man bislang acht Objekte eröffnet. Die fünfköpfige GbR teilt sich die Arbeit auf. Kaufmann Chau kümmert sich um die rund 200 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Der Informatiker im Team hat für die Gastrogruppe unter anderem mit Lieferbude.de eine eigene Orderplattform entwickelt. Außerdem gehört zur Gruppe eine kleine Baufirma. Durchaus stolz ist Chau auf die Tatsache, dass die expansive Wachstumsstrategie bislang ohne Banken finanziert werden konnte.

Migrantische Gründungen gehen selbst in der Gastronomie mittlerweile weit über Dönerbude und Asia-Imbiss hinaus. Das weiß auch Rainer Wünsche, Vorstand beim Nürnberger Verein Ausbildungsring Ausländischer Unternehmer (AAU). Er war lange Zeit in der Gründerberatung des Vereins aktiv und kennt auch die Vielfalt der Gründer. Er schätzt die Zahl der gründungswilligen Länder auf mehr als 30 Nationalitäten, darunter Osteuropäer, arabische Ländern aber auch Venezuela oder Persien. „In Spitzenzeiten haben wir mehr als fünf Gründer pro Woche beraten.“ Da dieser Bereich momentan nicht mehr finanziert wird, finden Beratungen nur noch sporadisch durch ihn selbst ehrenamtlich statt.

Als Zielbranchen nennt Wünsche unter anderem Handel und Gastronomie, Dienstleistungen, Design, Fertigung, aber auch mal Apotheken. Oftmals scheitere eine Anstellung, so dass die Selbständigkeit eine gute Alternative ist. „Viele wollen ihre Ideen eines Unternehmens in der Praxis realisieren und ausprobieren.“ Zumal etliche Migranten schon in ihren Heimatländern selbständig waren und diese Arbeitsform als Normalität ansehen. In der jüngeren Vergangenheit gab es auch Kontakte zu jungen Uni-Absolventen mit Gründungsideen. Erfahrungsgemäß rate die AAU-Beratung bei mindesten der Hälfte der potenziellen Gründern von der geplanten Selbständigkeit ab. Von den begleiteten Jungunternehmen sind etliche sehr erfolgreich über darüber hinaus Ausbildungsbetriebe geworden. „Das ist ja unser großer Antrieb als AAU.“

Beitragsbild: Gastronom Tony Chan (li) mit seinen Azubis