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Weiß-blaue KI für Wissenschaft

Bayern startet mit Blue-Swan-Plattform die nächste Stufe seiner KI-Offensive

Bayern startet die nächste Stufe seiner KI-Offensive. Unter dem Dach des Wissenschaftsministeriums beginnt die Entwicklung eines eigenen, europaweit einmaligen KI-Basismodells. Mit der Blue-Swan-Plattform soll zukünftig ein leistungsfähiges Angebot für Wissenschaft und Wirtschaft nach europäischen Standards zur Verfügung stehen. Grundlage dafür ist eine neue Generation von Hochleistungsrechnern. Mit einer Ordner von 55 Mio. Euro hat das Ministerium nun neue Hochleistungsprozessoren vom führenden US-Weltmarktführers Nvidia gekauft. Damit stehen dem Zentrum für Nationales Hochleistungsrechnen Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (NHR@FAU), FAU, künftig allein über 1.000 GPUs zur Verfügung. Diese Graphics Processing Unit oder Grafikverarbeitungseinheiten können die Datenverarbeitung in rechenzentren erheblich beschleunigen. An der FAU entsteht damit voraussichtlich bis zum Herbst die größte KI-Rechnerinfrastruktur in der deutschen Hochschullandschaft.

Wissenschaftsminister Markus Blume gibt die Marschrichtung vor: „Mit der Entwicklung eines eigenen KI-Basismodells schlagen wir das nächste KI-Kapitel auf und gehen einen einzigartigen Weg.“ Der Blue Swan wird eine eigene, vertrauenswürdige Plattform aus KI-Modellen mit zentralen Anwendungsfeldern wie Gesundheit und Robotik. Der Freistaat setzt dabei auf das bayerische KI-Ökosystems und vielversprechende Entwicklungen.

Der FAU-Präsident Joachim Hornegger hat allen Grund stolz zu sein. Denn Künstliche Intelligenz veränderte nicht nur bereits heute unseren Alltag maßgeblich, sondern wird auch unsere Zukunft in nie gekannter Weise beeinflussen. „Wenn wir diese Zukunft mitgestalten wollen, eigene Standards setzen wollen, in der Forschung international an der Spitze mitspielen wollen, ist es unerlässlich in die entsprechende Infrastruktur zu investieren.“ Genau das passiere mit den massiven Investitionen des Freistaats in das Bayerische KI-Basismodell und in den Erlanger KI-Supercomputer.

Das weiß-blaue KI-Modell geht anders als ChatGPT einen neuen Weg. „Die Blue-Swan-Plattform denkt in Fähigkeiten, ist multimodal angelegt und folgt dem Grundsatz von Open Source“, so Blume weiter. Außerdem werde der Teamgedanke groß geschrieben An der Entwicklung sind elf Hochschulen, darunter auch neben der FAU die TU Nürnberg und die HaW Ansbach.

Inhaltlich konzentriert sich die Arbeit zunächst auf die beiden Cluster „Health“ und „Robotics and Perception“. Im Gesundheitsbereich entwickeln Experten aus KI, Medizin und Lebenswissenschaften multimodale Modelle. Dafür führen sie die unterschiedlichste Datenquellen zusammen, etwa medizinische Bildgebung, klinische Informationen und Biosignalen. Ziel ist es, Krankheitsmechanismen grundlegend besser zu verstehen und Diagnostik sowie Therapie auf ein neues Niveau zu heben. Im Cluster „Robotics and Perception“ entsteht die Grundlage für eine sogenannte „embodied AI“, bei der Wahrnehmung und Handlung verschmelzen. KI-Systeme sollen ihre Umgebung nicht nur analysieren, sondern aktiv in ihr agieren – sicher, präzise und robust, von der Objekterkennung bis hin zu komplexen autonomen Abläufen. Mit der Ausrichtung unterscheidet sich Blue Swan von den sprachbasierten KI-Modellen, die aus den Internetquellen der Welt unkontrolliert Informationen absaugen und daher oftmals auch halluzinieren.

Der bayrische KI-Vorstoß fand im Schatten der Hannover Messe statt, die einen Fokus auf die industrielle KI legte. Dort betonte Kanler Friedrich Merz in seiner Impulsrede, dass Deutschland und die Europäische Union einen souveränen Zugang zu allen Teilen der KI-Wertschöpfungskette benötigten. Dies beinhalte unter anderem Hardware und Software sowie Chips, Cloud-Technologien, Modelle und Daten.

Flankenschutz bekam der Kanzler von einer Erhebung des US-Netzwerk-Ausrüsters Cisco. Demnach zählen in Deutschland KI-Assistenten, Logistikoptimierung und Prozessautomatisierung zu den wichtigsten KI-Use-Cases. Es folgen automatisierte Qualitätsprüfung, Energieoptimierung und vorausschauender Wartung. In Sachen ausgereifter Nutzung und breiter Einsatz solcherindustriellen Betriebsabläufe habe Deutschland zumindest innerhalb der EU die Nase vor. Allerdings gießt Cisco aus Wasser in den Wein. So stoßen viele Unternehmen durch fehlende Voraussetzungen insbesondere bei Netzwerkinfrastruktur, Cybersicherheit und IT/OT-Betriebsmodellen an ihre Grenzen. Dies gilt vor allem, wenn KI nicht mehr nur analysiert, sondern in Echtzeit in der Produktion eingesetzt wird.

Symbolbild: Thomas Tjiang und Claude