Aldi-Fleisch: Einstieg in den Ausstieg

Aldi Süd und Aldi Nord kündigen für ihr Frischfleisch-Sortiment den Einstieg in den Ausstieg an. Bis 2030 kommt demnach nur noch Rind, Schwein, Hähnchen, Pute oder Lamm ins Frischeregal, das bei den vierstufigen Tierwohl-Haltungsformen 3 und 4 entspricht. Ausgenommen sind sogenannte Spezialitäten und Tiefkühlartikel. Laut Fahrplan peilt Aldi bereits 15 Prozent des Frischfleisch-Umsatzes aus den Haltungsformen 3 und 4 an. 2025 fliegt die Haltungsform 1 – von Tierschützern als Qualzucht gegeißelt – aus den Discountern.

Mit dem Einstieg in den Ausstieg sorgt Marktmacher Aldi für erhebliche Unruhe. Zuletzt stellte ein bundesweiter Marktcheck der Verbraucherzentralen fest, dass mehr als die Hälfte des angebotenen Fleisches aus der Haltungsstufe 1 stammt. Hierbei werden lediglich die gesetzlichen Mindestbestimmungen eingehalten. Etwas bessere Zuchtbedingungen sieht die Stufe 2 mit mindestens zehn Prozent mehr Platz im Stall vor. In Discountern, Supermärkten und Metzgereien macht dies mehr als ein Drittel aus. Darüber hinaus kommen Stufe 3 auf knapp 3 Prozent und Stufe 4 mit Bio-Label auf 10 Prozent.

Wenn Aldi mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent den Kurs ändert, werden sich auch andere Branchenplayer neu positionieren müssen. Die Tierwohl-Ankündigung setzt Bauern, Schlachter und Politik unter Druck, titelt das Handelsblatt. Demnach beginne nun ein Streit um die Kosten der Umstellung entlang der Lieferkette. Zuchthöfe müssten umgebaut, Schlachtereien neue Voraussetzungen zur Nachverfolgung schaffen. Auch der Verbraucher werde künftig tiefer für Grillabend oder Sonntagsbraten in die Tasche greifen müssen.

Nachdem die Politik die Tierwohl-Diskussion jahrelang in Trippelschritten begleitet hat, ist der Bayerische Bauernverband nun überrascht und entsetzt über den Einstieg in den Ausstieg: „Ich bin schockiert, wenn Aldi als Erfinder des Discounts, in die Offensive geht und maximale Steigerung bei den Tierwohlstandards verkündet“, sagt Bauernpräsident Walter Heidl. Aktuell müssten die Landwirte mit dem Discounter um jeden Zehntel Cent für mehr Tierwohl streiten.

handelsblatt.com, faz.net