Für einen Verband überraschend viel Unternehmergeist zeigte jüngst der Landesverband Bayern Großhandel ∙ Außenhandel ∙ Dienstleistungen, LGAD. Auf dem Bayerischen Großhandelsforum in der IHK Nürnberg präsentierte er sich als veränderungsbereite Branche. „Handel ist Wandel“, betonte Verbandspräsident Christoph Leicher mit Blick auf aktuelle Herausforderungen. Dabei hatte er vor allem volatile Kunden, digitalen Veränderungsdruck und kürzeren Reaktionszeiten im Blick. Daher mahnte er die Teilnehmer, neue Chancen zu ergreifen.
Deshalb motivierte Leicher, Chancen statt Risiken als unternehmerischen Auftrag zu begreifen. Sie liegen „weltweit in neuen Märkten, neuen Produkten und neuen Kundenwünschen“. Die größte Gefahr für die Branche sah er in einer verpassten oder verzögerten Anpassung der Geschäftsmodelle der Großhändler. Deshalb sind für ihn Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) eine Chance für effizientere Prozesse. „Das ist Chefaufgabe, verzichten Sie auf Papier und entfernen Sie ihre Fax-Nummer vom Briefkopf.“
Eine betriebliche Digitalisierung beschleunige die internen Abläufe, wenn etwa die papiergestützen Abläufe durch eine digitale Ablage ersetzt wird. So lasse sich eine zentrale Wissensdatenbank für alle Mitarbeiter schaffen und man bekomme valide Daten für schnellere Entscheidungen. Allerdings ist so ein Vorhaben kein Selbstläufer. „Datenqualität und Datenschutz sind Chefsache.“ Beim Experimentieren mit einer KI sollte man sich immer von der Frage leiten lassen, wo sie ein Unternehmen im Wettbewerb besser mache.
Leicher griff auch den Dauerbrenner Fachkräftemangel auf. Hier dürfe man nicht nur klagen, sondern müsse selbst gestalten. „Kein Gesetz schafft eine gute Führungskultur, um Menschen zu gewinnen und zu halten.“ Auch beim Thema Ausbildung sollte man sich nicht auf den Staat oder gar die Politik verlassen. Stattdessen mahnte er die Großhandelsbetriebe, auch nach außen deutlich darzustellen, dass die Branche mehr als Lager und Logistik ist. Auch das helfe, mehr Azubis zu gewinnen.
Neu beim Druck auch auf die Großhandelsbranche ist für Leicher die Geschwindigkeit. „Die Veränderungen kommen nicht nacheinander, sondern greifen ineinander.“ Allerdings nehme niemand die notwendigen Entscheidungen den Unternehmern ab. Auch die Antwort auf aktuelle Risiken könnten Chefs nicht an seine Teams delegieren. Deshalb postulierte er auf dem Podium: „Jetzt ist jeder mit Wandel dran, fangen Sie jetzt an.“
