Das Kapitel des eigenständigen Versicherers im Zeichen der Burg ist Geschichte. Eigentlich sah der Zeitplan erst in der zweiten Jahreshälfte die Übernahme der Nürnberger Versicherungsgruppe durch die österreichische Wiener Versicherung Gruppe (VIG) vor. Doch nun kamen alle notwendigen Genehmigungen und regulatorischen Freigaben für die größte Transaktion in der Unternehmensgeschichte schneller als erwartet. Mit dem Vollzug hält die VIG 99,2% des Grundkapitals und der Stimmrechte an Nürnberger.
Entsprechend der Mehrmarkenstrategie der Gruppe soll die Nürnberger auch weiterhin als eigenständiges Unternehmen bleiben. Gemäß des Prinzips des lokalen Unternehmertums werde die traditionsreiche Marke und Identität als Präventionsversicherer vom Standort Nürnberg aus auf dem deutschen Markt operieren. Zur VIG gehören mehr als 50 Versicherungsgesellschaften und Pensionskassen in 30 Ländern. Der Fokus liegt auf Zentral- und Osteuropa. Sie versorgt mehr als 33 Millionen Kunden mit Versicherungsleistungen.
Der Vorstandschef der Nürnberger, Harald Rosenberger, will die Restrukturierung seines Hauses, „unsere Transformation zum Präventionsversicherer spürbar beschleunigen“. 2024 musste der Versicherer einen empfindlichen Konzernverlust von 77 Mio. Euro ausweisen. Ein restriktiver Sparkurs in Millionenhöhe und ein Personalabbau von 600 Arbeitsplätze auf 3.800 Mitarbeiter brachte die Nürnberger wieder auf Kurs. Zwar ging 2025 der Konzernumsatz durch Bereinigungen leicht auf 4,5 Mrd. Euro zurück. Als Konzernergebnis blieben aber immerhin 47 Mio. Euro übrig. „Unser Effizienz- und Transformationsprogramm wirkt“, fasste Rosenberger bei der Vorlage der vorläufigen Bilanzzahlen den Geschäftsverlauf zusammen.
Rückenwind dürfte er von der VIG aus Wien bekommen. Die führende Versicherungsgruppe in Zentral- und Osteuropa beherrscht ihr Geschäft. Sie verbuchte 2025 Prämien in Höhe von 16,3 Mrd. Euro. Das Ergebnis vor Steuern sprang um fast ein Drittel auf 1,16 Mrd. Euro. Sie beschäftigt rund 30.000 Mitarbeiter. Für das laufende Jahr steht weiteres Wachstum auf dem Plan. Die AG peilt für 2026 ein Ergebnis vor Steuern zwischen 1,25 bis 1,3 Mrd. Euro an.
Beitragsbild: Nürnberger
