Nach einem Rekordjahr 2025 gerät auch der Flughafen Nürnberg unter Druck. Nach einem guten Start sorgt der Iran-Krieg für kräftigen Gegenwind. Die Blockade der Öl-Straße von Hormus setzt die globalen Verbraucher durch Mangel und Preissteigerungen kräftig zu. Zwar beruhigt die deutsche Politik mit diffusen Aussagen, wonach es keinen absehbaren Kerosinmangel geben werde. Doch die Unschärfe der Aussage nach dem Branchentreffen ist bedenklich. Immerhin rechnet der Nürnberger Flughafen für das laufende Jahr grundsätzlich mit einer weiterhin stabilen Nachfrage. Geopolitische Unsicherheiten wie der Iran-Krieg, dadurch bedingt hohe Kerosinpreise sowie volatile wirtschaftliche Rahmenbedingungen stellen Risikofaktoren für die Luftverkehrsbranche dar.
Dem Flughafen-Chef Michael Hupe sind bei diesem Marktumfeld die Hände gebunden. Er kann nur lokal einen Ausweg aus der Misere suchen. „Eine aktive Airline‑Akquise und die kontinuierliche Pflege unserer bestehenden Partnerschaften sind dabei entscheidende Hebel.“ Ziel ist es, das Streckenangebot weiter zu verbreitern und insbesondere ganzjährig stabile Verbindungen auszubauen, um die Saisonalität weiter zu reduzieren.
EU schlägt Alarm
Die Politik will mit dem Tankrabatt ihre Handlungsfähigkeit demonstrieren. Ab dem 1. Mai sinkt die Energiesteuer für zwei Monate um jeweils 14,04 Cent je Liter. Geben die Ölkonzerne diese Ermäßigung weiter, ergibt sich mit dem Umsatzsteueranteil eine Entlastung von bis zu 17 Cent je Liter. In Summe könnten Verbraucher und Wirtschaft so rund 1,6 Milliarden Euro sparen, heißt es in der Gesetzesbegründung hoffnungsvoll. Die EU zeigt sich allerdings deutlich skeptischer. „Diese Krise ist schlimmer als die Ölkrise 1973 und die Energiekrise 2022 zusammen“, sagte Energiekommissar Dan Jørgensen. Gerade bei den europäischen Beständen und Produktionen von Kerosin zeigt sich die EU-Kommission besorgt. Die Internationale Energieagentur rechnet in Europa innerhalb von sechs Wochen mit einem Kerosinmangel. Sollte Kerosin weiter teurer werden oder die Versorgung tatsächlich eingeschränkt werden, könnten Fluggesellschaften ihr Angebot reduzieren. Dann wären auch in Nürnberg weniger Verbindungen ab Nürnberg möglich.
Passagierrekord und minimiertes Minus
2025 verzeichnete der Albrecht Dürer Airport mit 4,5 Millionen Passagieren das verkehrsstärkste Jahr seiner Geschichte. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von fast 12 Prozent. Erstmals wurde damit auch der bisherige Höchstwert aus dem Jahr 2018 übertroffen. „Die anhaltend hohe Nachfrage nach Flugreisen zeigt, wie attraktiv unser Streckenangebot für Urlaubs-, Städte- und Geschäftsreisen ist“, sagte Hupe. „Besonders erfreulich ist, dass sich die Nachfrage über alle Jahreszeiten hinweg auf hohem Niveau bewegt hat.“ Die Flugbewegungen lagen im Jahresdurchschnitt bei 110 Prozent gegenüber dem Vorkrisenjahr 2019 und damit auch über dem bundesweiten Durchschnitt der deutschen Verkehrsflughäfen. Insgesamt fertigte der Flughafen 2025 4.508.765 Passagiere ab und der gewerbliche Verkehr wuchs um 12 Prozent.
Der Linienverkehr erreichte 2,81 Millionen Passagiere (+10,8 Prozent). Wachstumstreiber waren insbesondere die Low Cost Airlines: Ryanair, mit einem Marktanteil von 28 Prozent weiterhin größte Airline in Nürnberg. Wizz Air entwickelte sich erstmals zur zweitgrößten Airline am Standort und auch Pegasus Airlines legte im Türkei-Verkehr stark zu.
Der Konzernumsatz stieg um 13 Prozent auf 113 Mio. Euro. Unter anderem durch Investitionen in Höhe von 26 Mio. Euro für Substanzerhaltung, Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur blieb das Ergebnis negativ. Der Jahresfehlbetrag reduzierte sich um 4,4 Mio. auf nunmehr -1,1 Mio. Euro. Die Zahl der Mitarbeiter sank um 32 auf 1.052. Der Personalaufwand legte zugleich um 5 Mio. auf 63 Mio. Euro zu. Die größte Einzelinvestition des Jahres war die Inbetriebnahme der Freiland-Photovoltaik-Anlage mit einer Leistung von über 13 Megawatt (Peak), die im letzten Jahr ans Netz ging. Sie ist die größte PV-Anlage in Nürnberg und ein zentraler Baustein auf dem Weg zu Energieautarkie und nachhaltigem Betrieb.
