Für die genossenschaftliche Taxi-Zentrale Nürnberg sind es aktuell schwierige Zeiten. Die flaue Wirtschaftslage sorgt dafür, dass Unternehmen und Verbraucher ihr Geld stärker zusammenhalten. Gleichzeitig wächst der Druck durch die sogenannten internetbasierten Fahrdienstleister. 2023 startete Bolt Deutschland mit seinem Angebot in Nürnberg und Uber kam ein Jahr später dazu. Während des letzten Christkindlesmarktes startete „Little Bolt“ mit zehn Elektro-Kleinstwagen seinen Dienst innerhalb des Rings der Frankenmetropole. „Der Kuchen wächst nicht, es herrscht ein Verdrängungswettbewerb“, konstatiert Co-Vorstand Roland Kerl. Die Taxi-Branche sieht sich einem Umsatzrückgang von rund 30 Prozent ausgesetzt. Der Wert einer Taxikonzession habe sich auf etwa 25.000 Euro bis 30.000 Euro fast halbiert.
Für Kerl ist der Wettbewerb wie ein Boxkampf, bei dem ihm ein Arm auf den Rücken gebunden ist. Denn das Taxi-Gewerbe ist als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs ÖPNV dem Personenbeförderungsgesetz (PbefG) unterworfen. Zu den Länderauflagen kommen dann noch die kommunalen Vorgaben. Die Stadt Nürnberg regelt etwa die Vergabe von einer Taxikonzession, macht aber auch weitere Vorgaben. Per Verordnung verlangt sie höfliches Verhalten oder auch saubere Kleidung, die einer öffentlichen Dienstleistung angemessen ist. Außerdem sind Fahrgäste nach 22 Uhr auf Wunsch bis zur Haustüre zu begleiten.
„Wir sind ein Vollsortimenter und das rund um die Uhr“, ergänzt Vorstandskollege Bilgün Özkan mit Blick auf Fahrzeuge für sechs oder acht Passagiere. Hinzu gibt es auch rollstuhlgerechte Taxis und viele weitere Extras bis hin zu speziellen Verträgen mit Unternehmen oder Service für Stammkunden. Außerdem ist selbst bei schwacher Nachfrage immer ein Taxi zu bekommen. In Nürnberg und der Stadt Stein gibt es 67 Warteplätze für Taxis. In der Regel liegt für einen Kunden die Wartezeit im Durchschnitt zwischen zwei und fünf Minuten.
Als Partner der VAG springen die Taxler auch wenn, wenn etwa eine Straßenbahn etwa bei einem Verkehrsunfall die Strecke blockiert. Anders als bei den internetgestützten Konkurrenten bestimmt das Taxameter oder ein vereinbarter Festpreis die Kosten. Dort, so hat es Kerl beobachtet, käme es in Spitzenzeiten am Silvestermorgen zu Preisen von über 150 Euro statt eines stabilen Taxitarif von 22 Euro. Mittlerweile würden am Ende von Rock im Park die Gäste lieber zur genossenschaftlichen Taxi-Deutschland-App greifen, um ohne algorithmische Preisfindung das Areal zu verlassen.
Mit diesen Leistungen sieht sich das Vorstandsduo als wichtiger Baustein in der öffentlichen Daseinsvorsorge und als eine Art Handwerksbäcker der Mobilität. Aber auch die Mietwagen mit Personenbeförderungsschein hätten ihre Berechtigung. Man selbst erfülle eine Art öffentlichen Auftrag rund um die Uhr zu jeder Tag und Nachtzeit und picke sich nicht nur einzelne lukrative Stücke aus dem Kuchen. Es gehe also nicht nur um Kosten für eine Fahrstrecke, sondern um die Zukunft des Taxigewerbes. „Wir haben hier als Bürger selbst viel Macht“, appelliert Özkan für ein langfristiges Denken. Denn man sei Dienstleister für alle Menschen.
Genossenschaftliche Selbsthilfe
Die Wurzeln der Taxis-Zentrale finden sich im Jahr 1925. Damals schlossen sich 39 Kraftdroschkenbesitzern von sieben konkurrierende Vereine zu einer Genossenschaft zusammen. Die Registernummmer 74 spricht dafür, das diese Betriebsform noch eher am Anfang stand. Die genossenschaftlichen Idee der gegenseitigen Hilfe setzte auf einen gemeinschaftlichen Einkauf von Betriebsmitteln für den Kraftwagenbedarf und die Weitergabe an die Mitglieder. Heutzutage koordiniert die Taxi-Zentrale Nürnberg in ihrer Servicezentrale die Fahrtwünsche auch außerhalb des Stadtgebietes für Schwabach, Ansbach sowie Bamberg mit immerhin 80 Taxis.
Taxi-Zentrale in Zahlen
Ende vergangenen Jahres zählte die Genossenschaft 295 Mitglieder, rund 1.500 Mitarbeiter beschäftigten. Von den Mitgliedern sind etwa 20 Prozent Soloselbstständige mit maximal noch einem Mitarbeiter. Insgesamt lag der Fahrzeugbestand bei 492 Taxis. Darunter befanden sich acht-E-Fahrzeuge sowie 40 Wagen mit Hybridantrieb. Aus Sicht von Kerl bremst die Ladeinfrastruktur den Umstieg auf elektrische Fahrzeuge. In diesem Jahr hat die Zahl der Mitglieder abgenommen. Wie überall in der Wirtschaft geht auch der Trend in der Taxibranche zu größeren Einheiten.
Auch die Genossenschaft selbst will sich nicht nur auf ihre Dienstleistungen etwa in Sachen Schulungen und Unterstützung bei mobilen Kartenbezahlsysteme beschränken. „Wir werden auch digitaler“, hat sich Kerl vorgenommen. Das betrifft beispielsweise die Funkvermittlung oder den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI), um es für Kunden einfacher zu machen oder Auftragswünsche schneller zu erfüllen. Dabei geht es um einen sechsstelligen Betrag. Angesichts dieser Investitionen kann sich Kerl vorstellen, sich künftig „weiter zu vernetzen“ oder eine „vertiefte Zusammenarbeit“ auszubauen. So ließen sich Kosten auf mehreren Schultern verteilen. Zumal auch der bundesweite Trend zeigt, dass es für kleinere Einheiten der Branche immer schwieriger wird.
In Mittelfranken gibt es mit den Taxizentralen in Erlangen und Fürth noch zwei weitere Genossenschaften. Im Nürnberger Land sind einzelne Taxiunternehmer aktiv. Insbesondere im ländlichen Raum bietet der VGN etwa in den Landkreisen Ansbach, Roth und Weißenburg-Gunzenhausen Anrufsammeltaxis als Ergänzung an regulären Betrieb an. Dafür müssen sich Fahrgäste vor der Fahrt anmelden und werden dann etwa vom Bahnhof oder Haltestelle vor die Tür des gewünschten Ziels gebracht.
Beitragsbild: Die beiden Vorstände Bilgün Özkan (li) und Roland Kerl der Taxi-Zentrale Nürnberg
