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Datev: Keine Entwarnung für KMUs

Mittelstandsindex der Nürnberger Datev identifiziert für die Sparte Einzelhändler ein weiteres Minus

Fast schon mit gewohnter Regelmäßigkeit droht das nächste Drama bei dem einstigen Handelsriesen Karstadt – nunmehr Galeria. Doch die Restrukturierung stockt. 33 Standorte sollen erneut auf den Prüfstand, darunter auch vier Warenhäuser in Bayern. Das vermeintliche Marktgewicht verdeckt allerdings den Blick auf kleine Einzelhändler und weitere kleinere Firmen. Diese immerhin mehr als 3,5 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) machen hierzulande 99 Prozent aller Unternehmen aus. Zuletzt sorgten sie für einen Umsatz von rund 2,8 Billionen Euro. Von einer Stabilisierung des Geschäfts sind die KMU-Einzelhändler allerdings deutlich entfernt. Die neue Mittelstandsindex der Nürnberger Datev identifiziert für die Sparte Händler ein weiteres Minus, diesmal von 2,7 Prozent.

Auch Gastgewerbe und Verarbeitendes Gewerbe liegen mit ihren Geschäften deutlich unter ihrem Vorjahresniveau. Lediglich das gebeutelte Baugewerbe verbucht ein besseres Geschäft, so dass in Summe der Juli-Index mit 2,7 Prozent positiv ausfällt. Das Plus ist allerdings teilweise ein Effekt des schwachen Vorjahresmonats. Die Datev wertet monatlich die Umsatzsteuervoranmeldungen von über einer Million Unternehmen aus. Hinzu kommen die Lohn- und Gehaltsabrechnungen von mehr als acht Millionen Arbeitnehmer.

„Auch wenn der Umsatzanstieg im Juni erfreulich ist, sollte er vor dem Hintergrund eines schwachen Vorjahresmonats nicht überbewertet werden“, kommentiert Datev-Chef Robert Mayr. Mit Blick auf die unterschiedlichen Größen der KMUS stellt er fest: „Insbesondere die Kleinstunternehmen bleiben rückläufig und die Lohnkosten steigen weiter deutlich.“ Die großem KMUs mit 50 bis 249 Mitarbeitenden legen dagegen beim Umsatz um 7,1 Prozent zu und bauen trotzdem leicht Beschäftigte ab. Hintergrund dürften die weiter steigenden Lohnkosten über alle Unternehmensgrößen, Branchen und Bundesländer hinweg sein. Im Vorjahresvergleich beträgt das Wachstum der Personalkosten saison- und kalenderbereinigt 6,3 Prozent.

Zahlen vom Münchner ifo Institut lassen gerade für die selbstständigen Einzelhändler mit bis zu 9 Mitarbeitern die Alarmglocken schrillen. Ihrem Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex zufolge erreichte deren Bewertung der laufenden Geschäfte einen Tiefstand. Dieser Index für Soloselbständige und Kleinstunternehmen hat sich zwar leicht verbessert, bleibt aber deutlich im Minus. Das flaue Geschäft erschwert auch den Zugang zu Krediten und anderen Finanzierungsmöglichkeiten. Grob fast jeder jeder zweite Befragte hatte im zweiten Quartal Schwierigkeiten bei Kreditverhandlungen.