Nach vier Messetagen zieht die NürnbergMesse für die Biofach eine positive Bilanz. Rund 2.200 Aussteller aus fast 90 Ländern und knapp 32.000 Fachbesuchern kamen trotz ÖPNV- und Lufthansastreik nach Nürnberg. Im vergangenen Jahr zählte der Veranstalter noch über 35.000 Besucher und rund 2.300 Aussteller. Damit verteidigt die Biofach erneut ihre Rolle als weltweit führende Plattform für Bio-Lebensmittel. Im Zentrum ging es unter anderem um die Frage, wie Ernährungssysteme resilient und zukunftsfähig werden.
„Die Bio‑Community hat die Messe erneut als ihre zentrale Plattform genutzt“, so Dominik Dietz von der Biofach. Tina Andres, Chefin den Branchen-Dachverbandes BÖLW, ergänzte: „Es ist schön zu sehen, wie Bio wächst – die politischen Botschaften für eine weiterhin starke Entwicklung wurden hier auf der Biofach gesetzt.“ Seit Jahren fordert die Biobranche fast schon gebetsmühlenartig von Bund, Ländern und Kommunen mehr Engagement bei ihrer Bio-Strategie. Dazu gehört mehr gesunde und frische Ernährung mit Bio in Kantinen, Schulen und Kindergärten. Außerdem müsste das mittelständische Lebensmittelhandwerk regulatorisch entlastet werden. Auch die Forschung für die Öko-Wertschöpfungskette braucht mehr Fördermittel.
Bio-Umsatz weiter auf Rekordkurs
Der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln in Deutschland stieg 2025 um 6,7 Prozent auf 18,2 Milliarden Euro. Die Ökolandbau-Fläche wuchs unterproportional um 1,1 Prozent. Davon sind zwei Drittel der Fläche nach den hohen Standards deutscher Bio-Verbände zertifiziert. Der Bio-Anteil an der gesamten Agrarfläche erreicht 11,7 Prozent, jeder siebte Hof in Deutschland wirtschaftet ökologisch. In Bayern ging der Anteil der Ökolandfläche leicht auf 413.000 Hektar zurück. Das entspricht einem Anteil von 13,4 Prozent der Gesamtfläche. Eigentlich peilt der Freistaat bis zum Jahr 2030 einen Ökolandbau-Anteil von 30 Prozent an der bayerischen Landwirtschaftsfläche an.
Die steigende Nachfrage führt zu Knappheiten bei Bio aus Deutschland. Das „Generationenprojekt Umstellung des Hofes auf Bio“ halte mit der Marktentwicklung nicht Schritt, so Andres weiter. Rund 40 Prozent der Bio-Möhren und ein Viertel der Bio-Zwiebeln wurden 2024 importiert. Auch bei tierischen Erzeugnissen – Milch, Butter, Fleisch – steigen die Importe. Gut ein Drittel des Bio-Schweinefleischs stammte 2024 aus Nachbarländern. In Europa liegt der Anteil der Biolandwirtschaft bei 11,1 Prozent. An der Spitze rangiert Österreich mit einem Bioflächenanteil von über 27 Prozent, gefolgt von Estland und Griechenland.
Marco Schlüter, Vizechef des internationalen Öko-Verbandes IFOAM, würdigt den Ökolandbau gerade in Zeiten globaler Krisen. 4,5 Millionen Biobauern stünden rund um den Globus für eine weltweite Bewegung. Bio nehme gerade angesichts geopolitischer Konflikte eine hervorgehobene Rolle bei der Ernährungssicherheit ein. Anders als eine hochindustriealisierte Landwirtschaft sei der Ökolandbau die überlegenere Variante. Der benötigte weniger externe Inputs wie hochgezüchtetes Saatgut und Kunstdünger. Vielmehr setze er auf lokale Lieferketten und sei damit ein Instrument für Autonomie.
