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Aufschwung im Handwerk bleibt aus

Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Mittelfranken zeigt unklares Stimmungsbild

Ein einheitliches Bild der Zuversicht sieht anders aus. Die Konjunkturumfrage für das zweite Quartal 2025 der Handwerkskammer für Mittelfranken zeigt ein unklares Stimmungsbild. „Wir sehen keine einheitliche Entwicklung“, lautet das Fazit des neuen Hauptgeschäftsführers Rainer-Johannes Wolf. Er verbreitet aber auch Optimismus: „Wir gehen tatsächlich in eine Erholung rein.“ Damit fasst er Stimmungslage der befragten Handwerksbetriebe zusammen. Gut ein Drittel – etwas weniger als im Vorquartal – beurteilen ihre Lage als gut. Befriedigend finden etwas mehr, nämlich 46 Prozent, ihre Lage. Aber auch die Pessimisten haben zugelegt. Jede fünfte Firma finden die Situation schlecht.

Auch bei der zukünftigen Geschäftslage zeigt 100 Tage nach dem Start der neuen Bundesregierung ein gespaltenes Bild. Gut zwei Drittel der Handwerkschefs rechnen mit einem gleichbleibenden Geschäft. Ein besseres Geschäft in der Zukunft erwarten mit jedem fünften Betrieb deutlich weniger als im Vorquartal. Mit einem verschlechterten Trend rechnen weniger, aber immerhin noch 15 Prozent. In Summe läuft das Geschäft irgendwie weiter, die Umsätze sind überwiegend stabil oder gestiegen. „Die Lage ist gut“, kommentiert der Handwerkskammer-Chef. Aber: „Unsere Handwerker sind skeptisch, ob es so bleibt.“

Vom Flankenschutz der Politik kommt bei den mittelfränkischen Handwerkern bislang wenig an. Immerhin zeigt das konjunkturelle Zugpferd Bauhauptgewerbe eine leichte Erholung. Die Hoffnungen ruhen auf dem vom Kabinett beschlossenen „Bauturbo”, der mit den geplanten Sonderregelungen Abweichungen des Bürokratiemonsters Bauplanungsrecht vorsieht. Der Investitions-Booster, der seit Juli 2025 gilt, ist dagegen eher gut gemeint. Firmen können bis zu 30 Prozent der Anschaffungsinvestitionen für neue Maschinen, Fuhrparks oder Betriebsausstattung degressiv abschreiben. Das ist theoretisch eine gute Entlastung, geht allerdings an der Investitionslust in Mittelfranken vorbei. Hier bleibt auch im zweiten Quartal das Investitionsverhalten im Handwerk verhalten. Etwas weniger Betriebe haben ihre Investitionen ausgeweitet, die Mehrheit hält ihr Pulver auf konstantem Niveau.

Durchaus kritisch bewertet die Handwerkskammer die Senkung der Stromsteuer, denn das Handwerk ist wie Verbraucher von der Entlastung ausgenommen. „Wer darauf vertraut und entsprechend investiert hat, hat nun das Nachsehen“, betont Christian Sendelbeck, Betriebschef und Vizepräsident der Handwerkskammer. Das gelte etwa für Handwerksfirmen, die von einer Gasheizung auf eine Wärmepumpe umgestellt haben. Auch der Austausch im Fuhrpark von Dieselfahrzeugen auf E-Fahrzeuge entpuppt sich aus Kostengesichtspunkten als Fehler. „Es herrscht in den Betrieben ein gewisser Unmut.“ Einen positiven Zwischentrend kann Kammer-Chef Wolf bei den Azubis vermelden. Zumindest liegt die Momentaufnahme über den Zahlen des Vorcorona-Jahres 2019. „Wir sind vorsichtig optimistisch.“ Es könnte der Lohn sein für das Engagement der letzten Jahre, die vielfältige Welt des Handwerks den Schülern näher zu bringen. „Viele Leute können im Handwerk glücklich werden“, ein Studium sei nicht erforderlich.