Zum diesjährigen Ausbildungsstart zeigt sich ein uneinheitliches Bild. Die IHK Nürnberg meldet über 6.000 junge Menschen, die ihre Laufbahn in Industrie, Handel und Dienstleistungen beginnen. Die Handwerkskammer für Mittelfranken (HWK) hat bislang über 2.000 angehende Handwerker registriert. Allerdings scheint sich der Trend des vergangenen Jahres auch heuer fortzusetzen. Da sanken bereits die neu abgeschlossenen Lehrverträge. In diesem Jahr ist der Rückgang mit über 6 Prozent sogar noch deutlicher. Insbesondere Firmen im gewerblich-technischen Bereich fahren ihr Lehrstellenangebot in erster Linie wegen der konjunkturellen Lage zurück. Auch angehende Fachinformatiker sind deutlich weniger gefragt. Im mittelfränkischen Handwerk war die Bilanz 2025 leicht positiv. 2026 zeigt das Ausbildungsbarometer mit fast 6 Prozent deutlich nach oben.
Die gute Nachricht für alle Nachzügler: Der offizielle Startschuss ist keine Deadline für Spätentschlossene. In der IHK- und HWK-Welt ist nach wie vor ein Einstieg in die duale Ausbildung möglich. HWK-Ausbildungsexpertin Kassandra Daniel rät nach wie vor zu einem Praktikum. Jugendliche und Betriebe können so unkompliziert in ein paar Tagen herausfinden, ob Berufswunsch und Firma zueinander passen.
Bei den IHK-Berufen haben ausländische Azubis verhindert, dass die Zahl der vakanten Ausbildungsstellen nicht noch höher ausfällt. Offenbar sei die duale Ausbildung gerade im Ausland sehr gefragt: Über 22 Prozent der neuen Auszubildenden kommen aus dem Ausland. Bemerkenswert ist dabei, dass ausländische Jugendliche mit 28 Prozent deutlich häufiger in kaufmännischen Ausbildungsberufen vertreten sind, als im gewerblich-technischen Bereich. Besonders hoch ist der Anteil an ausländischen Azubis im Bereich Hotel- und Gaststättengewerbe. Hier hat gerade mal ein gutes Viertel die deutsche Staatsangehörigkeit.
Besorgniserregend ist für Stefan Kastner, Leiter des IHK-Geschäftsbereichs Berufsbildung, die hohe Zahl der unversorgten Schulabgänger. Nach wie vor sind noch mehrere Hundert Ausbildungsplätze unbesetzt. Das könnte das Problem unqualifizierter Jugendliche weiter verschärfen, wenn sie sich nicht für ein Studium entscheiden. Das Bundesinstitut für Berufsbildung, BIBB, diagnostizierte zuletzt ein hohes Niveau bei jungen Erwachsener im Alter von 20 bis 34 Jahren ohne Berufsabschluss. BIBB-Berechnungen zufolge waren 2024 fast 19 Prozent ohne abgeschlossene Ausbildung oder Studium. Hochgerechnet waren dies 2,76 Millionen nicht formal qualifizierte junge Menschen mit entsprechend schlechteren Arbeitschancen.
