Das geflügelte Wort von der Wirtschaftsmacht von nebenan beschreibt das Handwerk ganz gut. Immerhin beschäftigen die über 23.200 mittelfränkischen Handwerksbetriebe über 120.000 Mitarbeiter und kommen auf einem Umsatz von fast 15 Milliarden Euro. Doch die Konjunkturumfrage der Handwerkskammer für Mittelfranken für das 2 Quartal 2026 zeigt ein gespaltenes Bild. Einerseits ist der Einbruch in den beiden Gewerken Bau und Ausbau ausgeblieben. Dabei befürchtet der Branchenverband Wohnungswirtschaft GdW einen Neubau-Kollaps und ein Minus beim Neubau von rund einem Viertel. Andererseits hat sich die Zahl der optimistischen Betriebe mit Zuversicht fürs kommende Geschäft auf gut 14 Prozent mehr als halbiert.
„Die Erholung ist real, aber sie kommt nicht überall an. Das zeigt sich am deutlichsten im Lebensmittelhandwerk, wo sich die Lage sogar noch verschärft hat“, kommentiert Rainer-Johannes Wolf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Metzgereien und Bäcker sind die Negativausreißer des Quartals. Ein Drittel der Betriebe melden eine schlechte Geschäftslage und kein Betrieb erwartet eine Verbesserung. Gründe für den konjunkturellen Trübsal sind erneut stark gestiegene Energiepreise und hohe Rohstoffkosten. Außerdem geraten sie immer stärker unter Druck durch die Großindustrie. Hier ist auch die Klage über fehlende Fachkräfte und zunehmende Bürokratie besonders groß. Der Frust lässt sich auch an der schwachen Investitionsbereitschaft ablesen. Kaum mehr als jeder zehnte Betrieb investiert in neue Technik und Prozesse, obwohl fast drei Viertel mit hohem Auslastungsniveau arbeiten.
Insgesamt zeigen die Konjunkturdaten der Handwerkskammer eine spürbare Erholung im Quartal. 282 Handwerksbetriebe aus der Region haben an der Umfrage teilgenommen. 35 Prozent bewerten ihre Geschäftslage als gut, fast 44 Prozent bewerten das Geschäft als befriedigen und nur noch 20 Prozent als schlecht. Der Auftragsbestand über alle Gewerke ist leicht auf 10 Wochen gestiegen. Auch hier ist das Polster deutlich gespalten. Das Bauhauptgewerbe freut sich über einen gestiegenen Auftragsbestand auf 14,7 Wochen – wohn auch Dank eines florierenden Straßen- und Tiefbaus. Bei den Lebensmittelhandwerker reicht die Auftragsdecke gerade noch 2,8 Wochen. Und auch das Geschäft für Handwerksbetriebe mit bis zu zehn Beschäftigten zeigt unterm Strich keine Spur von Erholung. Folgt man dem letzten Mittelstandsindex der Nürnberger Datev, verharren die Kleinstunternehmen weiterhin im Umsatzminus.
