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Umdenken am Bau statt Abrissbirne

Eine besondere Form der Revitalisierung beschreitet die Stadt Nürnberg gemeinsam mit der Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft Montag Stiftung Jugend und Gesellschaft. Das ehemalige, seit 2016 ungenutzte Siemens Bürogebäude in der Colmberger Straße an der Südwesttangente im Stadtteil Röthenbach wird ein neuer Schulstandort. Mit diesem Pilotprojekt „Schulbau Open Source (SOS) Nürnberg“ ist nach 14-monatiger Vorplanung die Umnutzung als moderner Schulstandort erreicht. Die verspiegelte Bürobrache beinhaltet künftig die beiden Berufsschulen B5 und B14 mit acht Fachbereichen und insgesamt 2.400 Schülern.

Vor zwei Jahren überzeugte die Stadt mit diesem Vorhaben die von der Stiftung ausgelobte Ausschreibung „Schule statt Leerstand“. Diese richtete sich an Gemeinden und Kommunen, die leerstehende und ursprünglich nicht für schulische Zwecke geplante Gebäudetypen für eine zukunftsweisende Pädagogik aktivieren wollen. Die Stadt will leerstehende Immobilien als zukunftsfähige Bildungsorte weiterentwickeln, zumal im Stadtgebiet kaum noch freie Flächen für Neubauten zur Verfügung stehen. Gleichzeitig will sie ressourcenschonend mit dem Gebäudebestand umgehen. Das Nürnberger Projekt versteht sich als Reallabor für den Umgang mit Bestandsgebäuden im Bildungsbereich. Denn die sogenannte graue Energie, der Energieaufwand inklusive aller eingesetzten Materialien für eine Immobilie, gilt als einer der großen CO2-Emittenten. Allein für Gewinnung und Verarbeitung von Baumaterialen entstehen Schätzungen zufolge rund 30 Prozent an CO2-Emissionen.

Es finden sich in Nürnberg zahlreiche weitere Bespiele für die Umnutzung verwaister Büro- und Gewerbeflächen. Vieles lässt sich an der einstigen Industriemeile Fürther Straße sehen. Dazu gehören die einstigen Produktionsflächen von Triumph Adler und AEG, die heute florierende Gewerbestandorte sind. In das einstige Quelle-Versandzentrum zieht nun ein Teil der Stadtverwaltung in den Bürotrakt ein. Auch der einstige Novartis-Standort in der angrenzenden Roonstraße wird unter dem Projektnamen ReNovartis von der Heilbronner Impact Real Estate wiederbelebt. Geschäftsführer Erik Lennart Aalto will dort in drei Abschnitten 130 Wohnungen, 90 seniorengerechte Einheiten und 130 Microapartments realisieren. „Die Revitalisierung funktioniert aufgrund seiner Lage und dem Konzept der 15-Minuten-Stadt“, erklärt Aalto auf dem Noris Immobilien FORUM der Sparkasse Nürnberg.

Nach dem Vorbild etwa von Paris könne man in 15 Minuten mit dem Fahrrad alle alltagswichtigen Angebote und Einrichtungen erreichen. Das Großprojekt mit angestrebter DGNB Gold-Zertifizierung kalkuliert mit Baukosten von rund 3 500 Euro pro Quadratmeter. Neben der guten Bausubstanz seien günstige KfW-Zinsen und vor allem ein günstiger Kauf des lange leerstehenden Bürokomplexes entscheidend gewesen. Aalto sieht bei der Umnutzung von Gewerbeimmobilien zu Wohnzwecken durchaus Potenzial, warnt aber auch vor überzogenen Erwartungen. So würden sich weder Objekte am Stadtrand eignen noch Leerstände in vorrangigen Gewerbeparks. Dort brauche man allein schon drei bis fünf Jahre, um planerisch überhaupt Wohnrecht zu schaffen.