Die Nürnberger Baugruppe zieht sich aus Hochbau zurück. Das traditionsreiche Familienunternehmen richtet sich strategisch neu aus und fokussiert sich auf den Tief- und Rohrleitungsbau. Die im Jahr 1815 gegründete Tauber Bau Hochbau will alle laufenden Projekte abzuschließen und keine neuen Hochbauprojekte mehr akquirieren. Ausschlaggebend sei die anhaltend schwierigen Marktbedingungen im Hochbau sowie die fehlende Perspektive auf eine nachhaltig wirtschaftliche Entwicklung gewesen, teilt das Unternehmen mit.
Die Entscheidung passt in die flaue Situation im bundesdeutschen Wohnungsbau. Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen konstatiert bei seinen Mitgliedern einen „drohenden Neubau-Kollaps“. Unter dem Verbandsdach sind 3.000 Wohnungsgenossenschaften, kommunale Wohnungsbaugesellschaften sowie kirchliche und freie Wohnungsunternehmen organisiert, darunter 499 aus Bayern. Für das Jahr 2025 bilanziert der GdW gestiegene Bestandsinvestitionen auf 12,7 Milliarden Euro. Gleichzeitig sanken die Neubauinvestitionen auf 8,1 Milliarden Euro. Für 2026 droht bei Investitionen in neue Wohnungen ein Einbruch von über einem Viertel auf rund 6 Milliarden Euro. Erhalt, Klimaschutz, altersgerechter Umbau und Digitalisierung binden immer mehr Mittel – der Spielraum für neue bezahlbare Wohnungen wird kleiner.
Die Doppelspitze der Nürnberger Baugruppe mit Familienspross Niko Strubl und Arnulf Christa setzen auf die marode Infrastruktur am Standort Deutschland. Der Bedarf an Investitionen in Energie-, Wasser- und Versorgungsnetze sowie kommunale Infrastruktur nimmt aus ihrer Sicht in den kommenden Jahren weiter zu. Deshalb wolle man als Partner für Städte, Versorger und Industrie die Chancen aus Energiewende, Netzausbau und Infrastrukturmodernisierung nutzen.
Aus zwei mach eins mit M+B
Dafür bündelt das Familienunternehmen seine beiden Töchter, Mennicke Rohrbau und Brochier Rohrleitungs- und Anlagenbau zu Mennicke+Brochier mit M+B als Kurzform. So soll die Marktposition gestärkt werden. Bereits heute betreuen M+B von ihren Standorten Nürnberg, München und Dresden/Leipzig aus Projekte in weiten Teilen Süd- und Ostdeutschlands.
Aktuell realisieren Tauber Hochbau und die Gruppenschwester Bayernhaus Projektentwicklung das Quartier Stadtgold in Schwabach. Seit letztem Jahr entstehen dort in fünf Bauabschnitten insgesamt 210 Wohnungen und Gewerbeeinheiten, darunter 116 EOF-geförderte Wohnungen für das die Freistaat-Tochter BayernHeim. Tauber Hochbau stellt planmäßig alle Projekte fertig und erfüllt sämtliche bestehenden Verpflichtungen. Die Nürnberger Baugruppe mit zuletzt mehr als 750 Mitarbeitern und einem Umsatz von 102 Millionen Euro übernimmt künftig ihre Gewährleistungsverpflichtungen und die Betreuung bestehender Objekte.
Bereits im letzten Jahr hat sich die Baugruppe von ihrem Baurechenzentrum BRZ getrennt. Es entstand 1968 als Deutschlands erstes Baurechenzentrum aus der EDV-Abteilung von Tauber Hochbau und bot speziell für die Baubranche Software für mehr als 12.500 Kunden.
Beitragsbild: Nürnberger Baugruppe
