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NürnbergMesse leidet an deutscher Verunsicherung

Die Unsicherheit deutscher Unternehmen bremst das Messewachstum im laufenden Jahr. Derzeit sorgen Aussteller und Besucher aus dem Ausland für ein leichtes Wachstum.

Für das laufende Jahr schraubt die NürnbergMesse ihr Umsatzziel nach unten. Noch im Januar 2026 planten die Messemacher mit Einnahmen in Höhe 390 Millionen Euro. Nun senkte Messe-Chef Peter Ottmann die Erwartungen nach unten auf nunmehr rund 375 Millionen Euro. Zwar verbuchte die Verteidigungsmesse Enforce Tac einen satten Besuchergewinn und die Interzoo glänzte mit einer Ausstellerinternationalität von 87 Prozent. Er verwies aber auf eine US-Studie, derzufolge Deutschland im Vergleich zu anderen Industrienationen vor allem bei „Verunsicherung“ Spitze sei. Für den Messeherbst verzeichnen etwa die Messe für Cybersecurity it-sa Expo&Congress und die GalaBau positive Anmeldestände. Allerdings fänden kaum noch Veranstaltungen von Unternehmen auf dem Messegelände statt – eben weil die Firmen finanziell lieber in Deckung bleiben wollten.

In den Messehallen selbst herrsche dagegen gute Stimmung. „Die die kommen, sind die Optimisten“, so Ottmann weiter. Die Spaltung, die sich bereits im letzten Geschäftsjahr gezeigt hat, setzt sich 2026 fort. Aussteller und Fachbesucher aus dem Ausland loten viel mehr ihre Marktchancen aus als deutsche Teilnehmer. Angesichts der deutschen Investitionspause macht man sich im Messezentrum auch Gedanken über die Zukunft der Powtech Technopharm. Die Spezialmesse bringt Ende September Experten aus unterschiedlichsten Prozessindustrien in Nürnberg zusammen. Sie können sich über Technologien zur Verarbeitung von Pulvern, Feststoffen und Flüssigkeiten ein Bild machen, bei denen Deutschland und Japan Weltspitze sind. Aber Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft können derzeit anscheinend nicht genug Interesse wecken.

Auf dem globalen Messemarkt tummeln sich gut 1.700 Messegesellschaften, die rund 32.000 Messen ausrichten. In Deutschland konkurrieren rund 70 Messemacher mit etwa 300 Veranstaltungen – gut die Hälfte davon mit nationaler oder internationaler Bedeutung. Auf diesen präsentierten zuletzt rund 150.000 Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen, zwei Drittel von ihnen reisten aus dem Ausland an. Mehr als 10 Prozent der Aussteller kam aus China, gefolgt von Italien und den Niederlanden.

Die Nürnberger Messegesellschaft mit ihren 16 Service- und Auslandstöchtern treibt aber auch ihr Auslandsgeschäft voran. So führt in diesem Jahr etwa die Tochter NürnbergMesse Brasil in dem Mercosurland die „COP International“ durch. Im nächsten Jahr startet in São Paulo die drink technology.

Im vergangenen Jahr steuerte das Auslandsgeschäft 71 Millionen Euro zum Gesamtumsatz von 346 Millionen Euro bei. Das Geschäft fiel im Vorjahresvergleich geringer aus, weil manche der 158 Veranstaltungen allein in Nürnberg einen Zwei-Jahres-Turnus haben. Daher vergleichen die Nürnberger ihr Geschäft jeweils gerade Jahre mit geraden und ungerade Jahre mit ungeraden. Im auslaufenden Coronajahr 2023 lag der Konzernumsatz bei 265 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss war mit 2,2 Millionen Euro wieder positiv, zwei Jahre zuvor war es noch ein Minus von -1,1 Mio. Euro.

Die durchschnittliche Zahl der weltweit Beschäftigten stieg 2025 erneut leicht auf 1.267 Mitarbeiter an (2024: 1.181). Die Nürnberger GmbH wuchs um elf Mitarbeiter auf 601. Als Teil des großen Investitionsprogramms ist gerade das neue Mitarbeitercenter fertig geworden. Nun können auch die Beschäftigten aus den Ausweichquartieren im Stadtgebiet wieder auf das Messeareal zurückkehren. Der generalsanierte Trakt ist nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen,(DGNB) für seine Nachhaltigkeitsaspekte in Platin vorzertifiziert.


Beitragsbild: Geschäftsführer Peter Ottmann (re.) und Finanzchef Dirk Blum