Die meisten Ausländer, die Deutschland 2025 wieder verlassen haben, waren EU-Arbeitskräfte. Sie kehrten wieder zurück in ihre Heimatländer. Im letzten Jahr sagten insgesamt 956.000 Menschen Deutschland auf Wiedersehen. Häufigsten Zielland war Rumänien, gefolgt von der Ukraine und Polen. Vor diesem Hintergrund hat die Nürnberger Denkfabrik Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) unter anderem die Motivation für eine Abwanderung unter die Lupe genommen. Zumal der deutsche Arbeitsmarkt auf Arbeits- und Fachkräfte angewiesen ist.
Der wichtigste Anlass für Eingewanderte, Deutschland wieder zu verlassen, sind partnerschaftliche und familiäre Gründe (39 %). Es folgen für ein knappes Drittel die aufwändige bürokratischen Prozesse. Hinter dieser Bürokratiekritik können konkrete Erfahrungen stehen, vermutet das IAB. Besonders häufig bewerten Eingewanderte nicht ausreichend beantwortete Rückfragen als negativ. Aber auch Verfahrensdauern und -gebühren sowie unklare Abläufe bei bürokratischen Prozessen schrecken ab. Vor allem jüngere Eingewanderte bewerten solche Verfahren häufiger kritisch. Auf den weiteren Plätzen stehen persönliche Vorlieben, berufliche Gründe und der Wohnungsmarkt.
Unter den Weitergewanderten zog der größte Anteil nach Spanien, gefolgt von der Schweiz sowie Italien und Kroatien. 60 Prozent der Ausgewanderten kehrten in ihr Herkunftsland zurück. Viele Rückgewanderte stammen aus Mittel- und Osteuropa sowie aus sonstigen Nicht-EU-Ländern und kehrten entsprechend in diese Regionen zurück.
Im Vergleich zu Verbliebenen waren Ausgewanderte im Durchschnitt jünger, lebten deutlich kürzer in Deutschland und hatten häufiger Familie im Ausland. Außerdem verfügten sie seltener über (sehr) gute Deutschkenntnisse, aber häufiger über (sehr) gute Englischkenntnisse. Ihre Bruttostundenlöhne lagen niedriger als die der Verbliebenen. Innerhalb der Gruppe der Ausgewanderten zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede: Personen mit früheren Abwanderungsplänen sind häufiger hochgebildet. Sie verfügen häufiger über (sehr) gute Englischkenntnisse und haben häufiger eine deutsche oder EU-Staatsangehörigkeit. Außerdem erzielte diese Gruppe höhere Bruttostundenlöhne als Ausgewanderte ohne frühere Pläne. „Abwanderungspläne sind nicht einfach mit schwacher Integration gleichzusetzen. Sie treten auch bei ressourcenstärkeren und erwerbstätigen Personen auf, die über internationale Mobilitätsoptionen verfügen“, erläutert IAB-Forscherin Theresa Koch.
Grundlage für diese IAB-Daten ist das International Mobility Panel of Migrants in Germany (IMPa). Darin fragten die Forscher erste Überlegungen und konkrete Abwanderungspläne an. „Nicht jede Abwanderung kündigt sich vorher an. Abwanderungspläne sind aber ein starkes Signal dafür, wer Deutschland später tatsächlich verlässt“, erklärt Yuliya Kosyakova, Leiterin des IAB-Forschungsbereichs Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung. „Angesichts sinkender Zuzüge und weitgehend gleichbleibender Fortzüge wird es arbeitsmarktpolitisch wichtiger, frühzeitig zu erkennen, wer über Abwanderung nachdenkt.“ Dann könnte man Bleibeperspektiven gezielt stärken.
