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Plan und Taten gegen Hitzetage gefragt

Hitzetage mit über 30 Grad nehmen auch in Nürnberg zu

Hitzetage mit über 30 Grad nehmen auch in Nürnberg zu. Auch tropische Nächte, die sich nicht mehr unter 20 Grad abkühlen, sind hier immer häufiger zu messen. Mediziner registrieren gerade bei Hitzeperioden verstärkt Klagen über körperliche Belastungen, schlechten Schlaf und Kreislauf-Problemen. Auch Arbeitgeber konstatieren eine geringere Leistungsfähigkeit bei ihren Beschäftigten. Bundesweit mobilisiert der Hitzeaktionstag am 11. Juni für ein besseres Bewusstsein und Vorsorge. Ein kleiner Baustein, um die gesundheitlichen Folgen von Hitzeereignissen zu reduzieren, sind weniger Asphalt, mehr Pflanzen und mehr Grün in der Stadt. An diesem sogenannten Abpflastern beteiligt sich mittlerweile auch auch die Stadt Nürnberg. Das Entsiegeln ist etwa in den Niederlanden bereits eine breite Bewegung. Die Noris hat gerade mit einer Aktion den symbolischen Startschuss für die Beteiligung an dem bundesweiten Wettbewerb Abpflastern gegeben.

Aktionen wie diese sind Maßnahmen für den Fahrplan der Stadt zur Klimaneutralität bis zum Jahr 2040. Der Weg zu mehr zu Klimaschutz und Klimaanpassung ist im städtischen Integrierten Klimaschutzkonzept (IKSK) festgelegt. Dabei geht es aber nicht nur um Hitzewallungen, die das Wohlbefinden im städtischen Alltag beeinträchtigen. So warnte gerade der Kreditversicherer Allianz Trade in einer Studie vor Milliardenkosten extremer Hitze allein in Deutschland. Sollten sich die Hitzewellen des vergangenen Jahrzehnts bis 2030 wiederholen, drohen hierzulande Verluste von insgesamt bis zu 131 Milliarden US-Dollar (USD). Besonders problematisch ist dabei die doppelte Belastung für Unternehmen: Einerseits senken steigende Temperaturen die Produktivität in den Betrieben. Gleichzeitig steigen andererseits die Energiekosten. Allianz Trade befürchtet, dass Investitionen zurückgehen und so das zukünftige Wachstum lähmen, wenn sich Hitzewellen wiederholen.

„Extreme Hitze ist längst kein kurzfristiges Wetterphänomen mehr, sondern ein struktureller wirtschaftlicher Schock“, spitzt Milo Bogaerts, CEO von Allianz Trade in Deutschland, Österreich und der Schweiz zu. „Deutschland muss deshalb anfangen, mit Hitze zu planen.“ Die Studie rechnet pro zusätzlichem Grad über 30 Grad mit einem Minus bei der Produktivität von etwa 3 Prozent. Gleichzeitig steigen die Energiekosten um etwa 1,2 Prozent pro Grad durch einen höheren Kühlbedarf.

Auch für den Staat hätte die Entwicklung Folgen. Die jährlichen Steuereinnahmen fallen in Deutschland rund 0,7 % niedriger aus. Gleichzeitig steigen Ausgaben beispielsweise für Gesundheit, Infrastruktur und soziale Sicherungssysteme. Im Schnitt verschlechtert sich die Haushaltslage hitzebedingt um etwa 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr. Und Klimaökonom Hazem Krichene von Allianz Research fasst zusammen: „Die grüne Transformation und die Anpassung an den Klimawandel sind mittlerweile zentrale Fragen der Wirtschaftspolitik, die weit über den Umweltbereich hinausgehen.“

Die Lesart vom Klimaschutz als Bremser für soziales und unternehmerisches Handeln führt in die Sackgasse. Denn diese Argumentation suggeriert, dass der Klimawandel räumlich und zeitlich weit weg von Deutschland ist. Dabei hatte bereits im letzten Jahr der Bundesnachrichtendienst, (BND), die Folgen des Klimawandels als eine der fünf großen externen Bedrohungen identifiziert. Neben klimabedingter Migration nannte die Behörde ein aggressiv-expansives Russland, die weltpolitischen Ambitionen Chinas, zunehmenden Cyber-Gefahren sowie den weiterhin virulenten internationalen Terrorismus.