Spätestens seit der Corona-Pandemie sind Resilienz und Diversifizierung in aller Munde. Doch nun würgt der planlose US-Angriff auf die USA die Hoffnung auf ein sichtbares Wachstum ab. Sprünge bei den Energiekosten und erneut wacklige Lieferketten durch die Blockade bei Hormus dämpfen auch die Stimmung mittelfränkischer Unternehmen. So fällt der Konjunkturklima-Index der IHK Nürnberg für dieses Frühjahr unter die wichtige 100-Punkte-Marke. Die pessimistischen Erwartungen gewinnen wieder die Oberhand. In den letzten 20 Jahren war die Stimmung nur noch nach der Finanzmarktkrise 2008 und seit der Corona-Krise schlechter.
Die wirtschaftlichen Probleme hatte zuvor schon das ifo Institut auf den Punkt gebracht. Branchenübergreifend belasten drei Probleme die Unternehmen: fehlende Aufträge und schwache Nachfrage; steigende Betriebs- und Energiekosten; sowie eine zunehmend belastende Bürokratie. Zudem hätten viele Betriebe von zunehmenden Liquiditätsengpässen berichtet, weil deren Kunden sparen oder insolvent werden. Mittlerweile sehen 8,1% der Unternehmen in Deutschland ihren eigenen Fortbestand gefährdet. Das gaben sie der ifo Konjunkturumfrage zu Protokoll.
Der Blick auf die Konjunkturdaten birgt aber die Gefahr, die Strukturkrise zu übersehen. Made in Germany stand jahrzehntelang für Ingenieurskunst und technische Überlegenheit. Mit teureren Verkaufspreisen konnten die Standortnachteile – Stichwort „Deutschland als kranker Mann Europas“ – überkompensiert werden. Doch vielerorts fehlen die Ideen und Macherqualitäten etwa von Werner von Siemens und dem Feinmechaniker Johann Georg Halske. Das belegt die Investitionslust der befragten IHK-Unternehmen. Angesichts der deutschen Energie- und Arbeitskosten, ausbleibenden Reformen und einer „großen Verunsicherung durch die Umsatzentwicklung“ sieht der Chefvolkswirt der IHK, Udo Raab, eine bedenkliche Entwicklung. „Es finden bei uns praktisch nur Ersatz-Investitionen statt.“ Die großen Investitionsbudgets etwa für modernere Anlagen flössen woanders hin, wenn überhaupt investiert wird.
Der Konjunkturklima-Index verbucht in der Kategorie Keine Investitionen geplant einen großen Sprung. Mittlerweile hat jedes fünfte IHK-Unternehmen in Mittelfranken auf Sicht keine Investitionsabsichten mehr. Das präge entscheidend das Bild einer verstärkten Investitionszurückhaltung. Innovationen sind aber der Herzschlag gerade einer exportlastigen Wirtschaft, um sich mit dem Wettbewerb aus China zu messen. Dort besetzen Firmen strategische Wachstumsfelder wie die E-Mobilität und etwa Erneuerbare Energien. Auch der digitalen Dominanz der USA haben Deutschland und Europa nur bedingt etwas entgegenzusetzen.
Ohne Wachstumsfelder werden hierzulande auch keine neuen Mitarbeiter auf breiter Front eingestellt. Korrespondierend zu den Investitionen verharren die Beschäftigungsplanungen bei -13 Prozentpunkten. Dies gilt trotz Auftragszuwächsen auch für die Industrie mit einem überdurchschnittlichen Saldo von -21. Auch das veranschaulicht, dass der Beschäftigungsabbau des Verarbeitenden Gewerbes in Mittelfranken deutliche strukturelle Ursachen aufweist.
Als Bremsklötze für die wirtschaftliche Entwicklung nennen die befragten Unternehmen zuallererst das Risiko hoher Energie- und Rohstoffpreise (70 Prozent). Es folgen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (64 Prozent) und die hohen Arbeitskosten (62 Prozent) in Deutschland. Immerhin positiv auf niedrigem Niveau ist die Entwicklung der Auslandsnachfrage. Anders als die schlappen Orders aus dem Inland erreicht sie seit Corona ein neues Fünf-Jahres-Hoch mit 24 Prozent Zustimmung.
Die Probleme durch Iran-Krieg „mit allen Aufs und Abs“ sind in der IHK-Umfrage bereits drin. Neben den steigenden Kosten für Energie und Arbeit droht aber noch weiteres Ungemach. Getrieben von den hohen Energiekosten legte die Inflation in Deutschland im April auf eine Rate von +2,9 Prozent nach +2,7 Prozent im März zu. Das hat bereits die Baufinanzierungen deutlich verteuert, was auch die Erholung der Bauwirtschaft zurückwirft. Die Europäische Zentralbank hat sich bislang mit einer Reaktion zurückgehalten, ein höherer Leitzins ist aber absehbar. Ein steigendes Zinsniveau und damit höhere Kapitalkosten verteuert die Preise für deutsche Waren im Außenhandel und lässt die internationale Wettbewerbsfähigkeit weiter sinken. Auch die Großhandelspreise als Frühindikator zeigen schon empfindlich nach oben. „Wir müssen demnächst mit steigenden Zinsen rechnen“, befürchtet auch Raab. „Das ist das Gift für die Wirtschaft schlechthin.“
