„Ich habe selbst als Flüchtling so viel Hilfe bekommen, da will ich der Gesellschaft auch etwas zurückgeben“, konstatiert Jahangir Alam. Der Krankenpfleger kam 2012 mit 17 Jahren aus Bangladesch. Hier hat er Schulabschluss und Ausbildung gemacht und seit 2024 einen deutschen Pass. Um mit seiner Erfahrung anderen Menschen durch den Wust an Formularen und Anträgen zu helfen, hat er vor vier Jahren die Alam Immigration Agency gegründet. Die kleine Agentur in der Nürnberger Südstadt hat sich auf die Migrationsberatung spezialisiert.
Denn windige Anbieter brächten mit „Wuchergebühren“ für Visumsanträge, Reisepässe, Eltern- oder Wohngeld viele Ausländer um ihr Geld. „Das deutsche Recht ist kompliziert“, weiß Alam aus eigener Erfahrung. Für manche Kunden muss er selbst beim Jobcenter nachfragen, um die Formulare richtig auszufüllen. Er spricht lieber über seine Erfolge. Immerhin hat er einer Frau aus dem Irak mit deutschem Pass geholfen, eine Einreiseerlaubnis für Großbritannien zu bekommen. Sie hatte sich vorher in der Antragsstrecke verheddert und konnte schließlich erst nach elf vergeblichen Jahren ihre dortige Familie besuchen. Das macht ihn stolz, zumal für ihn schon lange klar ist: „Deutschland ist meine Heimat.“ Das Geschäft beschert ihm einen kleinen Ertrag. Aber um seine Arbeit im Klinikum Nürnberg an den Nagel zu hängen, reicht es für ihn und seine kleine Familie nicht.
Das Dienstleistungsgeschäft von Alam fällt aus dem klassischen Bild von Gründern mit Einwanderungsgeschichte. Das beschränkt sich typischerweise auf Dönerbuden, Barbershops oder Handyladen, längst nur ein kleiner Teil des Gesamtbildes. Vielmehr sind sie mit ihren Geschäftsmodellen längst nicht mehr aus der regionalen oder bundesweiten Wirtschaft wegzudenken.
Diese Entwicklung kann auch der IHK-Experte für Standortpolitik und Unternehmensförderung, Alexander Fortunato, bestätigen: „Rund jede fünfte Gründung in Deutschland geht auf Menschen mit Einwanderungsgeschichte zurück. Diese Dynamik spüren wir auch in Mittelfranken.“ Den Erfahrungen aus der täglichen Beraterpraxis mit migrantischen Gründern zufolge wächst deren Interesse.
