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10 Jahre Flucht: Wir schaffen das – langsam

90 Prozent aller Geflüchteten gingen 2024 einer Beschäftigung nach

90 Prozent aller beschäftigten Geflüchteten gingen 2024 einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Das zeigt eine Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung lag dieser Anteil bei 92 Prozent. Zählt man die Selbstständigen hinzu – rund 5 Prozent der 2015 Zugezogenen waren 2023 selbstständig –, ergibt sich eine Erwerbstätigenquote von etwa 70 Prozent. Damit hat sich in Summe die Beschäftigungsquote bereits bis auf 6 Prozentpunkte an das Niveau der Gesamtbevölkerung angenähert. „Angesichts der anfangs ungünstigen Ausgangsbedingungen war ein solcher Annäherungsprozess keineswegs selbstverständlich“, erklärt IAB-Forschungsbereichsleiter Herbert Brücker. „Neun Jahre nach dem Sommer 2015 können wir feststellen: In arbeitsmarktlicher Hinsicht ist viel erreicht worden – auch wenn noch Herausforderungen bestehen“, so Brücker.

Die Integration durch Arbeit und Beschäftigung ist allerdings überwiegend Männersache. Mit 76 Prozent lag die Beschäftigungsquote geflüchteter Männer vier Prozentpunkte höher als beim Durchschnitt der männlichen Bevölkerung in Deutschland. Bei Frauen betrug sie mit 35 Prozent nur die Hälfte des weiblichen Bevölkerungsdurchschnitts. Das liegt beispielsweise an geringeren Bildungsabschlüssen, die Konzentration auf reglementierte Berufe wie etwa Lehrer sowie fehlende soziale Netzwerke.

Zudem arbeiteten geflüchtete Frauen überdurchschnittlich in Teilzeit. „Das größte Potenzial für mehr Erwerbstätigkeit unter Geflüchteten liegt bei den Frauen. Der teils unzureichende Zugang zu Kinderbetreuung bleibt jedoch eine zentrale Hürde für ihre Integration in den Arbeitsmarkt“, ergänzt IAB-Forschungsbereichsleiterin Yuliya Kosyakova. Die Beschäftigungsquote von Frauen mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren lag bei 21 Prozent, bei Frauen ohne Kinder bei 40 Prozent.

Anteil der Leistungsbezieher sinkt

Sieben bis acht Jahre nach dem Zuzug arbeiteten 33 Prozent der geflüchteten Frauen und 26 Prozent der Männer in Engpassberufen. Männer waren vor allem in Verkehrs-, Logistik- sowie fertigungsnahen Berufen tätig. Frauen arbeiteten überwiegend in medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen. 2023 lag der mittlere Bruttomonatsverdienst aller erwerbstätigen Geflüchteten bei 2.297 Euro, bei Vollzeitbeschäftigten bei 2.675 Euro. Das entspricht rund 70 Prozent des Medianverdienstes aller Vollzeitbeschäftigten und liegt damit knapp über der Niedriglohnschwelle von 66 Prozent. 84 Prozent der abhängig Beschäftigten bestritten ihren Lebensunterhalt aus eigener Erwerbstätigkeit. Der Anteil der Leistungsbeziehenden unter den 2015 Zugezogenen sank auf 34 Prozent, blieb jedoch deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt.

Im Vergleich der Bundesländer zeigen sich große regionale Unterschiede bei Beschäftigung und Verdiensten. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt erreicht die Beschäftigungsquote 49 Prozent. Spitzenreiter ist das produktive Baden-Württemberg mit 66 Prozent. Auf Platz 2 folgt Bayern. Ähnlich sieht es beim mittleren Bruttotagesverdienst aus. In strukturschwachen ostdeutschen Ländern gibt es 36 Euro und in Baden-Württemberg bis zu 63 Euro. Auch hier folgt der Freistaat beim Tagesverdienst.