Die Nürnberger Versicherungsgruppe Universa konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr ihr Wachstum zum sechsten Mal in Folge in allen drei Unternehmen fortsetzen. Erstmals wurde die Milliardengrenze bei den Beitragseinnahmen überschritten. Vorläufigen Zahlen zufolge stiegen die Bruttobeiträge um 8,2 Prozent auf 1,02 Milliarden Euro. Vorstandsprecher Frank Sievert sieht es mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Die neue Beitragsmarke resultiert nicht nur durch organisches Wachstum, sondern auch aus Beitragsanpassungen. Immerhin liege man deutlich über der Branchenentwicklung von einem Beitragsplus in Höhe von 6,6 Prozent.
Das Geschäftsergebnis vor Steuern sank leicht auf 116 Millionen Euro. Abzüglich Steuern verblieb unter dem Strich ein Gewinn von 89 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor waren es noch von 101 Millionen Euro. „Aufgrund der herausfordernden Zeiten mit schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind wir mit dem Geschäftsverlauf sehr zufrieden, der von einem Rekordneugeschäft geprägt war“, hob Sievert hervor.
Seit vergangenem Jahr steht er für den Generationswechsel an der Universa-Spitze. Seit Februar gibt es erstmals ein vierköpfiges Führungsgremium und ebenfalls erstmals ist auch eine Frau an Bord. „Die Aufgaben werden mehr“, sagt der gelernte Bankkaufmann und Dipl.-Ökonom. Und er gibt die Marschrichtung vor: „Wir wollen unser Wachstum in der Nische erfolgreich fortsetzen.“ Rückenwind hat Sievert von seinem Vorgänger, der der Universa als ältestem deutschen Krankenversicherer ein kontinuierliches Wachstum bescherte.
Die Wurzeln der Sparte finden sich im Jahr 1843, sie startete einst als „Krankenunterstützungsverein für Tabakfabrikarbeiter“. Der Vorläufer der heutigen Universa Krankenversicherung a.G. ist das Flaggschiff der Gruppe. Sie verbuchte 2025 bei den Beiträgen ein Plus von 9,5 Prozent auf 832 Millionen Euro. Die Lebensversicherung legte um 1,9 Prozent auf 158 Millionen Euro. Weiter auf Wachstumskurs ist die Allgemeine Versicherung, die das Geschäft der Schaden- und Unfallversicherung betreibt. Der kleinste Unternehmensbereich sei für die Rolle als Allspartenanbieter wichtig. Hier wuchsen die Beiträge um 7,6 Prozent auf 32 Millionen Euro. Zugpferde im Neugeschäft waren die Kfz-Versicherung und die neu eingeführte Wohngebäudeversicherung.
Das Kürzel a.G. steht für die Rechtsform Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VVaG). Anders bei einer Aktiengesellschaft sind die Versicherten zugleich Mitglieder des Versicherungsvereins und damit gleichzeitig seine Eigentümer. Dadurch muss die Unternehmensstrategie auch nicht auf Aktionärsinteressen schielen. Sie kann sich vielmehr auf Versicherungsschutz und Service für die Mitglieder konzentrieren. Gewinne werden nicht im Zeichen des „Shareholder Value“ ausgeschüttet, sondern verbeliben im Unternehmen. „Unabhängigkeit, Kontinuität und Verlässlichkeit zeichnen uns aus.“ Für Sievert gibt es noch einen weiteren Vorteil. Er habe keine Angst, morgens aufzuwachen und in der Zeitung von der Übernahme der Universa zu lesen.
Der Nürnberger Versicherer konzentriert sich seit seiner Gründung auf Privatkunden, kleine und mittelständische Unternehmen, Handel und Handwerk. Wie die gesamte Branche kämpft auch die Universa mit Kostendruck und Digitalisierung. Die Transformation in die digitale Welt ist für Sievert ein Großprojekt. „Wir müssen uns fit für die nächste Dekade machen.“ Das Kundenportal soll weiter ausgebaut werden. Potenzial sieht er beispielsweise nach einer persönlichen Beratung in einer komplett digitalen Abschlussstrecke. Auch das gesamte Beitragswesen oder Zustellungen von Policen oder Änderungen könnten im virtuellen Raum sicher und datenschutzkonform erledigt werden. Als privater Krankenversicherer hat die Universa bereits vergleichsweise früh das elektronische Rezept technisch umgesetzt und steht kurz vor der Einführung der elektronische Patientenakte ePA technisch umgesetzt. „Es geht um Automatisierung und Optimierung von Geschäftsprozessen, aber auch die Abwehr von Cyberrisiken.“
Auch die Künstliche Intelligenz (KI) zieht in das Tagesgeschäft ein. Zu den KI-Projekten gehört beispielsweise eine Zusammenfassung von Risikovoranfragen oder die Ermittlung von Vorleistungen der gesetzlichen Krankenkassen bei Zahnzusatzrechnungen. „KI entlastet unsere Mitarbeitenden und hilft, unsere Services weiter zu verbessern.“ Allerdings weiß Sievert auch, dass sein Haus die hohen IT-Investitionen mittelfristig nicht allein stemmen kann. Über Standardsoftware hinaus könnten etwa Kooperation helfen, um anfallende Kosten aufzuteilen. Denn perspektivisch mache es betriebswirtschaftliche keinen Sinn, in jedem einzelnen Haus das digitale Rad neu zu erfinden.
Zum Jahreswechsel beschäftigte die Universa-Gruppe 840 Mitarbeiter, etwas mehr als im Vorjahr. Davon sind 774 am Nürnberger Stammsitz beschäftigt. Hinzu kommen angesichts eines „leergefegten Marktes für Versicherungsfachkräfte“ 58 Nachwuchskräfte in Ausbildung oder einem dualen Studium. Auch hier sei es schon mal einfacher gewesen, entsprechend geeignete Azubis zu bekommen. Dabei biete das wachsende Unternehmen nicht nur Versicherungsjobs, sondern auch Arbeit in der IT-Abteilung, Rechnungswesen, Marketing, Rechts- und Personalabteilung. Dafür setzt das Haus bei der Mitarbeiterkultur auf Werte, die für Vertrauen, Teamarbeit und eine offene Feedbackkultur stehen und wird kontinuierlich extern als attraktiver Arbeitgeber bewertet.
Der Jahresstart 2026 verlief nach Unternehmensangaben vielversprechend. Das Neugeschäft in den ersten beiden Monaten konnte im Vergleich zum Rekordvorjahr erneut um rund 21 Prozent zulkegen. „Der Wettbewerb um zufriedene Kunden erfordert allerdings weiter eine ständige Bereitschaft zum Wandel“, sagte Sievert.
