Die Digitalisierung von Schulen ist ein Segen, aber sie darf die Kulturtechnik Schreiben nicht verdrängen. Die Liste an Bildungsforscher und Neurowissenschaftler ist lang, die die Vorzüge der Handschrift hervorheben. Dabei geht es nicht nur um die 30 Muskeln und 17 Gelenke, die beim Schreiben mit der Hand gefordert sind. Das Gehirn überprüft Fingerhaltung und Buchstaben in Echtzeit, die motorische Koordination wird geschult. Zugleich wächst die Merkfähigkeit in diesem kreativen Prozess. Doch derzeit sind die immerhin noch überwiegend handgeschriebenen Einkaufszettel nicht das Maß aller Dinge. Auch deshalb zeigt die Bilanz des Heroldsberger Stifteherstellers Schwan-Stabilo, wie stark die Schreibgerätebranche unter Druck steht.
Der Familienkonzern mit den Sparten Stifte, Kosmetik und Outdoor verzeichnete im abgelaufenen Geschäftsjahr (30. Juni 2025) erneut einen Umsatzrückgang. Die Einnahmen sanken um rund 5 Prozent auf rund 758 Mio. Euro. Am besten schnitt noch der mittlerweile größte Geschäftsbereich Kosmetik des traditionsreichen Stifteherstellers ab. Hier sank der Umsatz leicht auf 369 Mio. Euro. Die Sparte Schreibgeräte büßte knapp 7 Prozent auf nunmehr 199 Mio. Euro ein. Das Segment Outdoor ist mit den vier Marken Deuter, Ortovox, Maier Sports und Gonso unterwegs. Hier gab der Umsatz um über 10 Prozent auf nur noch auf 189 Mio. Euro nach.
Die Verdrängung des Schreibens ist aber nur ein Aspekt des flauen Geschäfts. Schwan-Stabilo beklagt auch die schwache Konjunktur und eine gewisse Käuferunlust. Die sei weltweit zu beobachten, gepaart mit dem wachsenden Rückfall in abschottende Zölle und geopolitische Spannungen. Gleichzeitig setzte der Familienkonzern bei weiterhin hohen Investitionen den Rotstift beim Personal ab. Die Zahl der Mitarbeiter ging weltweit um 66 auf 5.205 zurück. In Deutschland arbeiteten zum Stichtag 2.266 Mitarbeiter. Am Stammsitz in Heroldsberg arbeiteten zuletzt mit 1.355 exakt 22 Beschäftigte weniger. Im mittelfränkischen Weißenburg sind es noch 460 Mitarbeiter.
Für das laufende Geschäftsjahres 2025/26 rechnet Schwan-Stabilo mit sich langsam stabilisierenden Märkten. Gleichzeitig setzt das Unternehmen derzeit besonderen Wert auf Kosteneffizienz und verzichtet weltweit vorerst auf Neueinstellungen. Für den Turnaround ist seit Oktober ein neues Führungsduo zuständig. Familiensproß Sebastian Schwanhäußer wechselte nach fast drei Jahrzehnten an der operativen Spitze als Leiter in den Firmenbeirat. Seitdem steht als CEO Michele Molon an der Konzernspitze, flankiert von der Finanzchefin Anke Buttler.
Staedtler investiert im Osten
Auch beim Nürnberger Stiftehersteller Staedtler stehen die Zeichen auf Neuausrichtung. Bis spätestens 2028 werden die beiden Produktionsstandorte im mittelfränksichen Sugenheim und im oberpfälzischen Neumarkt werden in die Fertigung am Stammsitz integriert. So lasse sich der Produktionsprozess deutlich vereinfachen und verschlanken. Den betroffenen 300 Mitarbeitern erhalten ein Angebot für einen Ersatzjob in der Zentrale. Gleichzeitig kündigte Staedtler mit seiner 190-jährigen Unternehmensgeschichte an, in einen neuen Produktionsstandort in Osteuropa zu investieren. So will man dem international zunehmenden Wettbewerbsdruck begegnen.
Faber-Castell setzt auf Südamerika
Auch bei Faber-Castell in Stein bei Nürnberg, seit neun Generationen in Familienbesitz, geht es um die Neuausrichtung. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 (31.März 2025) drückten negative Wechselkursentwicklungen den Gruppenumsatz um -2,7 Prozent auf knapp 602 Mio. Euro. Angesichts der Herausforderungen und Schwierigkeiten im globalen Markt wird das Restrukturierungsprogramm „ONE Faber-Castell“ angepasst und beschleunigt. So schließt bis mItte nächsten Jahres die Produktion von Textlinern im österreichischen Engelhartszell mit seinen 41 Beschäftigten. Auch vom Stammsitz und dem oberfränkischen Geroldsgrün wandern kleinere Fertigungslinien der Geschäftsfelder „Schreiben + Zeichnen“ sowie „Cosmetics“ nach Brasilien und Peru. Das Gleiche gilt für Produktslinien mit geringer Auslastung. Damit fallen bis zum März 2027 weitere 130 Stellen weg – nach Möglichkeit ohne betriebsbedingte Kündigungen durch Fluktuation und Ruhestandsregelungen.
Auch die 1995 gegründete Akademie Faber-Castell passt nicht mehr in die neue Kernausrichtung und schließt ihre Pforten. Die Bildungseinrichtung in Stein hatte sich mit berufsbegleitenden und Vollzeit-Studienangeboten in kreativen und künstlerischen Fachbereichen einen Namen gemacht. Der Investitionsbedarf und eine Risikobewertung mit Blick auf die Zukunft des Gesamtunternehmens hätten letztlich zu der Entscheidung geführt.
