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Startup: Mit KI gegen Schimmel auf den Bau

Jungunternehmer Samuel Dippold will mit onsite.ai KI-gestützten Raumluftanalysen am Bau etablieren

Mit KI-gestützten Raumluftanalysen will der Jungunternehmer Samuel Dippold die Schimmelsanierung in Gebäuden auf ein neues Niveau bringen. Dafür hat er 2022 die onsite.ai gegründet, die ihr Büro im Nürnberger Gründerzentrum Nkubator hat. Mit dem digitalen Hochleistungsmikroskop „PartSens“ lasse sich der Erfolg von Sanierungen nach Schimmelbefall vor Ort in einem „Lab to go“ überprüfen. „Wir sind schneller, durch unsere Künstliche Intelligenz genauer und liefern durch Automatisierung reproduzierbare Ergebnisse“, sagt der gelernte Zimmerer und technische Modellbauer, Jahrgang 1985. Bislang würden Luftproben in entsprechende Labore geschickt, die dort innerhalb von drei bis zehn Tagen ausgewertet werden.

Seine Lösung liefere gleich nach dem Einsatz etwa am Arbeitsplatz oder in der Wohnung eine Analyse zu Schadstoffpartikeln in der Atemluft. „Die Baubranche hat Nachholbedarf bei Prozessmanagement, Automatisierung und Digitalisierung“, so Dippold. Er hat fast ein Vierteljahrhundert in der Bau- und Automobilbranche gearbeitet. Als Prozess- und Qualitätsmanager hat er die Vorteile digitaler Prozesse kennengelernt. Sachverständige und Gut-achter erhalten ihm zufolge mit dem standardisierten Verfahren belastbare, objektive Messdaten,die sich digital und rechtssicher dokumentieren ließen. Für ihn liegt der Vorteil auf der Hand: „Wenn eine Baustelle nicht stillsteht, weil die Messergebnisse gleich vorliegen, sparen die Beteiligten einen Haufen Geld.“

So können Sanierungsunternehmen für Schimmel- und Wasserschäden den Erfolg ihrer Arbeit gleich prüfen. Aber auch Wohnungsbauunternehmen oder Hausverwalter könnten sich so unmittelbar Klarheit verschaffen. Möglicherweise verkürzt sich auch die Zeit, in der die Bewohner in Hotels einquartiert werden müssen – und damit auch die Entschädigungen, die die Versicherer zahlen müssen.

Die Idee für seine Innovation kam ihm im Unternehmen seines Vaters Uwe Dippold, ein Schimmel-sachverständiger und mit einem Büro für Baubiologe in Nürnberg. Dort stieg der Sohn 2020 ein, um später die Nachfolge anzutreten. Doch stattdessen beschäftigte ihn der fehlende Standardprozess bei der Schimmelanalyse. Und er stellte fest, dass die Kunden für schnellere Ergebnisse gerne höhere Kosten in Kauf nehmen. Deshalb bereitete er sich beim Businessplan-Wettbewerb Nordbayern auf ein eigenes Unternehmen vor.

KI Made in Germany

Gemeinsam mit dem Nürnberger Software- und KI-Spezialisten Isento entwickelte er seinen Prototyp: Die verwendete KI setze nicht auf US-Anbieter, sondern sei „Made in Germany“. Sie erlaube es, alle gewonnenen Daten komplett auszuwerten. Die Analysegeräte von onsite.ai gleichen die tausendfach vergrößerten Bilder von Schimmelsporen, Pollen, Ruß und anderen potenziell gesundheitsschädlichen Luftpartikeln per KI mit vorhandenen Daten ab und identifizieren sie schnell und umfassend. Das sei in herkömmlichen Laboren in diesem Umfang nicht leistbar. 2024 stieg Isento auch als Investor mit ein. Aus den ersten Pilotkunden sind schon regelmäßige Kunden geworden, die seit Ende letzten Jahres für ersten Umsatz sorgen.

„Wir sind mit unserer mobilen Lösung technisch führend und können als einzige eine Luftanalyse vor Ort machen“, so Dippold. Mit diesem Vorsprung will er schnell skalieren. Für die europaweite Expansion wäre ein weiterer Investor hilfreich. Aktuell beschäf-tigt Dippold sechs Mitarbeiter, darunter auch Werkstudenten.