Viel besser hätte es für die Nürnberger it-sa 2026, die europäische Fachmesse für IT-Sicherheit, nicht laufen können. Denn seit Jahren nehmen die Angriffe und Erpressungsversuche auf Unternehmen, Behörden und Verbraucher kontinuierlich zu. So erbeuteten Cyberkriminelle bei einer Attacke auf den Wohlfahrtsverband Paritätischen NRW zahlreiche Daten, darunter auch Bankverbindungen. Der Wohlfahrtsverband vertritt rund 3.100 Organisationen mit 7.000 Einrichtungen. Der Hackerangriff auf die weltgrößte Kryptobörse Binance aus China flossen wohl zunächst gut 5,6 Milliarden Euro innerhalb von 20 Minuten an. Der Schaden kurz vor Start der it-sa durch die kritische Schwachstellen der Programmiersprache PHP ist unbekannt. Allerdings waren weltweit Webanwendungen in Gefahr.
Ob die aktuellen Ereignisse den Wachstumskurs der Messe angeheizt haben, ist unklar. Aber der diesjährige Branchentreff übersprang in diesem Jahr mit 1.005 Ausstellern eine neue Bestmarke. An den drei Messetagen zählte der Veranstalter mehr als 33.000 Fachbesuchern aus über 70 Ländern. Das entspricht einem Besucherplus von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit bestätigt die it-sa ihre besondere Marktrelevanz, die sie als eine der drei Nürnberger Sicherheitsmessen einnimmt. Die anderen beiden sind die Defence-Messe Enforce-Tac und die Perimeter Protection zum Schutz von Außengeländen von kritischer Infrastruktur.
„Cyberangriffe sind aktuell eine der größten Bedrohungen für unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft“, konstatierte Susanne Dehmel, Mitglied der Geschäftsleitung des IT-Branchenverbandes Bitkom. „Wer in IT-Sicherheit investiert, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch Kundinnen und Kunden, Lieferketten und die Infrastruktur, von der wir alle abhängen.“ Nach der aktuellen Bitkom-Studie „Wirtschaftsschutz 2026“ entsteht der deutschen Wirtschaft durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage ein jährlicher Schaden von mindestens 211 Milliarden Euro. 76 Prozent davon gehen auf Cyberangriffe zurück. Seit Jahren empfehlen Bitkom und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik, BSI, einen Anteil der IT-Sicherheitsinvestitionen an den IT-Budgets von 20 Prozent. In der Praxis fällt der Anteil wie im Vorjahr mit 18 Prozent zu niedrig aus.
IT-Budgets wachsen
Die tatsächlich ausgegebenen Summen zeigen allerdings, dass Deutschland tatsächlich kräftig in IT-Sicherheit investiert. Im laufenden Jahr steigen die Ausgaben für IT-Sicherheit voraussichtlich um 11,7 Prozent von 12,8 auf 14,3 Milliarden Euro. Auch für das kommende Jahr erwartet der Bitkom erneut ein zweistelliges Plus. Ein Wachstum um 10,7 Prozent hebt demnach den Markt für IT-Sicherheit erstmals über die 15-Milliarden-Euro-Marke.
Drei Tage stand Nürnberg im Zentrum der internationalen Cyber-Security-Branche. Anbieter, Anwender, Behörden, Wissenschaft und Politik tauschten sich intensiv aus. Es ging um aktuelle Bedrohungslagen, neue Technologien und wirksame Strategien für mehr Cybersicherheit. Ab dem nächsten Jahr bekommt der Austausch ein neues Gesicht. Dann startet erstmals die it-sa CONFERENCE. Sie fokussiert künftig den strategischen Dialog über die Zukunft der Cyber-Sicherheit in Europa. Über technologische Fragestellungen hinaus rücken Wirtschafts-, Sicherheits- und Gesellschaftspolitik gleichermaßen ins Blickfeld.
