Die gute Nachricht zuerst: In der mittelfränkischen Wirtschaft liegen seit dem Frühjahr 2023 jetzt wieder Lagebeurteilung und Erwartung im leicht positiven Bereich. Der Konjunkturklimaindex der IHK Nürnberg steigt behutsam auf 102 Punkte. Dafür sorgen insbesondere die unternehmensnahen und verbrauchernahen Dienstleistungen. Aber auch die Industrie, eigentlich ein konjunkturelles Zugpferd, sorgt für eine Stimmungsaufhellung, weil die Zuversicht wieder mehr Kraft bekommt. Bayernweit hat der Maschinen- und Anlagenbau ein schwieriges Jahr hinter sich, konnte aber ein
ermutigendes Plus beim Auftragseingang verbuchen. Der bayerische Branchenverband VDMA erwartet daher für das angelaufene Jahr ein kleines Plus von real 1 Prozent. „Die mittelfränkische Wirtschaft zeigt sich resilient“, kommentiert Simon Preiß, zuständig für Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung bei der IHK.
Die schlechten Nachrichten finden sich in den Bereichen Investitionen und Beschäftigung. Der Personalabbau des vergangenen Jahres geht in diesem Jahr weiter. Der Teilindex Beschäftigung hat sich weiter verschlechtert. Ein aktuelles Beispiel ist der Zirndorfer Spielzeughersteller Playmobil, der rund 350 Mitarbeiter in Dietenhofen entlässt und sein gesamtes Playmobil-Werk dichtmacht. Selbst die Sparte Industrie setzt auf weniger Mitarbeiter und reduziert trotz positiver Erwartungen die Investitionspläne.
Dabei gelten Investitionen in neue Maschinen, Produkte und Verfahren als Gradmesser unternehmerischer Zuversicht. An Geld kann die Investitionsbremse nicht liegen, denn mehr als jedes zweite der befragten Unternehmen bezeichnet die eigene Liquidität als gut. Ein weiteres, gutes Drittel stuft desn aktuellen Liquiditätsstatus als befriedigend ein.
Die Unternehmen selbst scheinen im Wartemodus zu verharren und auf bessere Zeiten zu warten. 42 Prozent geben die „aktuelle Wirtschaftspolitik“ als größtes Hemmnis für Investitionen an. Es folgen zu hohe Arbeitskosten und die allgemein fehlende Nachfrage. Abwarten auf die Rückkehr der Kauflust von anderen Unternehmern und Verbrauchern könnte aber ins abseits führen. Gerade die starke und exportorientierte Kfz-Zulieferindustrie muss sich neue Branchen suchen. Das europäische Aus vom Verbrenner-Aus ist da weniger Hoffnungsträger als Irrlicht. Möglicherweise bieten das wackelige Mercosur-Abkommen mit Lateinamerika und das Freihandelsabkommen mit Indien Neuland für Geschäfte. „Wir müssen die Transformation aktiv gestalten“, sagt IHK-Experte Preiß.
Er denkt dabei auch an verstärkten Anstrengungen beim lebenslangen Lernen. Diese Form der Bildung gelte in der Region als ein „Sorgenkind“. Dabei könne sie helfen, neue Antworten auf die Herausforderungen rund um Künstliche Intelligenz und Digitalisierung zu finden. Den Arbeitsauftrag aus der aktuellen Erhebung sieht der IHK-Standortexperte in zwei Bereichen. „Einerseits müssen sich die Unternehmen wieder mehr trauen. Andererseits muss auch die Politik ihre Hausaufgaben machen.“
Dazu zählen unter anderem die bislang unzureichenden Wirtschaftsreformen, der Abbau von Bürokratielasten und eine beschleunigte Digitalisierung von Ämtern und Behörden. Knapp ein Drittel der mittelfränkischen Unternehmen sehen in der Steuerlast eine Investitionsbremse.
Die gerade vom Bund auf 1 Prozent reduzierte Wachstumsprognose für 2026 ist jedenfalls kein Booster für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Denn gut 0,3 Prozent resultieren in diesem Jahr aus den Feiertagen, die häufiger auf einen Sonntag fallen. Weitere 0,6 Prozent gehen maßgeblich auf die Milliardeninvestitionen für Infrastruktur und Rüstung zurück.
