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Handwerk hofft auf kommunale Politik

Erstmals legt Handwerkskammer für Mittelfranken Forderungskatalog zur Kommunalwahl 2026 vor

Erstmals hat die Handwerkskammer für Mittelfranken (HWK) einen Forderungskatalog zur Kommunalwahl am 8. März vorgelegt. Dazu zählt beispielsweise eine mittelstandsfreundliche Vergabe, die die regionale Wertschöpfung des Handwerks stärken soll. Behörden sollten etwa die Wertgrenzen bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen ausschöpfen. Außerdem fordert die HWK, größere Aufträge in kleineren Teillosen zu vergeben, um so kleinere und mittlere Betriebe eine Beteiligung zu erleichtern. Auch bei den kommunal gestaltbaren Steuersätzen, also Grund- und Gewerbesteuer, sollten die Rathäuser Maß halten. „Das Papier ist gekommen, um zu bleiben“, sagt HWK-Hauptgeschäftsführer Rainer-Johannes Wolf mit Blick auf seine 8 lokalen Forderungen.

Der Flankenschutz von der Politik hat einen guten Grund. Denn wenn von Wirtschaft die Rede ist, haben Politiker oftmals nur die großen Konzerne im Blick. Dabei gelten auch die knapp 22.600 Handwerksbetriebe in Mittelfranken als Wirtschaftsmacht von nebenan. Immerhin kommen sie mit über 119.000 Beschäftigten zusammen auf einen Umsatz von rund 14,3 Milliarden Euro. In Sachen beruflicher Ausbildung stellen sie 7.569 Ausbildungsplätze.

Als Dauerbrenner denn HWK-Präsident Thomas Pirner die überbordende Bürokratie. „Unsere Betriebe wollen arbeiten und ausbilden.“ Die deutsche Politik sollte sich daher auf europäische Standards beschränken und nicht bei der nationalen Umsetzung noch verkomplizieren. Als vorbildliches, aber einsames Beispiel für den Bürokratieabbau nennt Pirner den Handwerksparkausweis. Seit Jahresbeginn können Betriebe mit dem Handwerksparkausweis+ in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Schwabach die gleichen Erleichterungen nutzen.

Mit Blick auf die mittelfränkischen Konjunkturdaten für das 4. Quartal 2025 stellt die HWK eine fortdauernde Hängepartie fest. Chefvolkswirtin Kristina Zehmer sieht die Lage als „insgesamt stabil, aber keine kleinen Aufwärtsindikatoren“. Die indifferente Lage spiegelt sich in der Selbstbeurteilung der Betriebe wider. 35 Prozent der Handwerker geht es gut, 44 Prozent finden die Situation noch befriedigend. Bei der Bewertung der Aussichten verharren die Optimisten praktisch vor dem Niveau des Vorquartals, ein gleichbleibendes weiter so bekommt etwas mehr Zustimmung. Unterm Strich wird auch die angenehme Auftragsdecke kürzer. Zuletzt reichten das Auftragspolster noch 7,6 Wochen nach zuvor 8,1. Auch die Betriebsauslastung von ordentlichen 90 Prozent sank nun auf 31,5 Prozent.

Gerade die beiden beschäftigungsstarken Branchen, das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe, kommen Ende 2025 nicht auf Touren. Wolf sieht unterm Strich eine große Unsicherheit bei den Kunden. So hat sich die Geschäftslage im Bauhauptgewerbe trotz bundesweit wieder steigender Bauanträge gegenüber dem Vorquartal erstmal noch weiter eingetrübt. „Die Auftragseingänge sind erneut rückläufig.“ Auch im Ausbaugewerbe zeigt sich eine weitgehend stabile, aber gespannte Lage. Die Mehrheit der Betriebe bewertet ihre Geschäftslage als gut oder befriedigend, zugleich gehen Auftragsbestand und Auftragseingänge weiter zurück.