Das Fürther Familienunternehmen Bestattungen Burger will den Wandel in der Bestattungskultur mitgestalten. „Es gibt heute keine Tabuthemen mehr“, sagt der 20 jährige Luis Bauer, dessen Vater Johannes den Familienbetrieb Bestattungen Burger, Nachf. Johannes Bauer e.K. führt. „Die Zeit starrer Trauerrituale ist vorbei.“ Seit sechs Jahren baut er seine Social-Media-Aktivitäten aus. „Als ich 2020 damit angefangen habe, hatte das noch kein anderer Bestatter gemacht“, erinnert er sich. „TicToc war damals noch eine Tanzplattform für Mädels.“ Vater Johannes war damals schon auf Facebook und YouTube unterwegs. Doch als Luis sein erste Video hochlud, „ging es gleich durch die Decke“. Mittlerweile bespielt er regelmäßig Instagram, TicToc, Facebook und YouTube. In Summe komme er – „wie ein Influencer“ auf stolze 1,7 Millionen Follower. Vater und Sohn sind außerdem mit ihrem Podcast „Um Leben und Tod“ präsent.
Luis Bauer, Familienspross in sechster Generation, postet etwa Antworten auf Fragen, die man aus vermeintlicher Pietät nicht zu fragen wagt. Warum etwa wirkte der gestorbene Papst im Gesicht so grau? Warum darf man nicht mit einem Leichenwagen zum Möbeleinkauf fahren. Auch der Ablauf einer Einbalsamierung kommt genauso zur Sprache, wie eine Überführung per Flugzeug oder der Ablauf einer Kindertrauerfeier. Eine Witwe wollte, nachdem sie den entsprechenden Videoclip gesehen hatte, bei der Leichenwäsche ihres Mannes teilnehmen. Auch das überregionale Interesse an die Pilzsärgen im Sortiment begründet Bauer mit seinen Postings.
Den Pilzsarg entdeckten Vater und Sohn auf einer Bestattermesse und waren sofort begeister. „Das war mal etwas ganz anders“, so der junge Bauer. Das Produkt eines niederländischen Herstellers für Erd- und Feuerbestattungen gilt als 100 Prozent umweltfreundlich. Er wächst aus einer Pilz-Hanf-Mischung in einer vorgefertigten Form und kommt in der Herstellung ohne Wärme, Strom oder Licht aus. In der Erde wächst der Sarg nach eineinhalb Monaten unterirdisch weiter und wandelt dann seine organische Stoffe in Bodennährstoffe um. „Dieser Cocoon ist eine sehr innovative und zeitgemäße Idee“, findet der junge Thanatopraktiker, ein Einbalsamierer. „Nachhaltigkeit ist ein weltweites Thema.“ Ein konventioneller Sarg benötige dagegen allein an Rohstoffen gut einen halben Baum. Hinzu kommen Rohstofftransport und Fertigung.
Unterm Strich hat sich das Bestatterhandwerk im Kern kaum verändert. Allerdings ist die Urne deutlich auf dem Vormarsch. Sie erlaubt auch verschiedene Varianten, wie – je nach Friedhofssatzung – Verstreuen der Asche oder Bestattungen in Naturräumen. Aber der Fürther Familienbetrieb hat viele Trends aufgegriffen. Für das besonders heikle Thema Kinderbestattungen gibt es einen eigenen Raum, um würdevoll auf diese Sondersituation einzugehen. Ende letzten Jahres haben Vater und Sohn ein angrenzendes „Burgers Schmuckkästchen“ eröffnet. Dort finden sich die jungen Möglichkeiten an Trauer- oder Gedenkschmuck. So kann man sich etwa für Fingerprints eines Verstorbenen für einen Ring oder als Kettenanhänger entscheiden. Andere Möglichkeiten sind Erinnerungsdiamanten oder Asche-Amulette.
