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Bio-Pionier Lammsbräu kämpft gegen Markttrend

Neumarkter Lammsbräu verkaufte 2025 mit 219.458 hl Bio-Getränke über 10 Prozent weniger

Der Pionier von Biobier, die Neumarkter Lammsbräu, hat ein schwieriges Geschäftsjahr hinter sich. Der Umsatz sank 2025 von 31,7 Mio. auf 30,3 Mio. Euro. Damit konnte sich das Familienunternehmen immerhin zum fünften Mal in Folge über der 30 Mio. Umsatzmarke halten. Auf der Absatzseite festigte Lammsbräu seine Position in der Spitzengruppe der deutschen

Hersteller für alkoholfreie Biere und am Markt für Bio-Limonaden. Allerdings verkaufte die Lammsbräu im letzten Jahr mit 219.458 hl Bio-Getränke über 10 Prozent weniger. Dabei schnitten die alkoholfreien Getränke mit 155.255 hl vergleichsweise glimpflich ab. Die 1628 erstmals urkundlich erwähnte Brauerei freute sich über einen erfolgreichen Start der neuen Produktrange now Bio Sprizzz. Aktuell beschäftigt der Betrieb 139 Mitarbeiter.

Der Bio-Pionier steht mit dieser Entwicklung allerdings nicht allein. Bundesweit ging der Bierabsatz der deutschen Brauereien 2025 um 6,0 Prozent oder 497,1 Millionen Liter auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, war das der stärkste Absatzrückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993. Erstmals fiel der Bierabsatz unter 8 Milliarden Liter. In den Zahlen sind alkoholfreie Biere und Malztrunk sowie Bier von Herstellern außerhalb der EU nicht enthalten.

„Die Branchenzahlen sprechen hier eine klare Sprache“, kommentiert Johannes Ehrnsperger, Inhaber und Familienspross in 7. Generation. „Das zurückliegende Jahr hat bei allen Brauereien Spuren hinterlassen, ob bio oder nicht.“ Die Gründe liegen für ihn auf der Hand: „Der jährliche Pro-Kopf Konsum an Bier ist in Deutschland in den letzten dreißig Jahren von rund 136 Litern auf rund 88 Liter gesunken.“ Für die Zukunft gibt er eine klare Marschrichtung vor. Man werde die große Alkoholfrei-Kompetenz weiter ausbauen. „Als wir vor rund 30 Jahren anfingen alkoholfreies Bio-Bier zu brauen, wurden wir gerade in Bayern oft belächelt. Jetzt nicht mehr.“ Mittlerweile machen die Alkoholfreien über 60 Prozent des Absatzes aus.

Von Trend her liegt die Lammsbräu damit auf Kurs der vor zwei Jahren aktualisierten Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Erstmals hatte die wissenschaftliche Fachgesellschaft für Ernährung geraten, auf alkoholische Getränke zu verzichten. Die DGE ist sich sicher, dass es keine potenziell gesundheitsfördernde und sichere Alkoholmenge für einen unbedenklichen Konsum gibt. Der langfristige Absatztrend deutscher Brauereien bestätigt die Entwicklung. Immerhin hat sich der Output alkoholhaltiger Biere seit 1991 von 118 Mio. hl um über ein Drittel reduziert. Gründe hierfür dürften aber eher verschärfter Arbeitsschutz, abgesenkte Promillegrenzen im Straßenverkehr und entsprechende Kontrollen sein.

Am eingeschlagenen Kurs der Bio-Produktion von Vater Franz Ehrnsperger ist nicht zu rütteln. Vor fast 40 Jahren kam das erste Lammsbräu-Bio-Bier auf den Markt. 1992 erfolgte als erste Brauerei in Europa eine Zertifizierung nach der EG Bio-Verordnung. „Wir bleiben konsequent unserem Kern treu. Beste Qualität, traditionelles Handwerk und ökologisches, klimaschützendes Wirtschaften erfolgreich zusammenbringen, das ist Neumarkter Lammsbräu.“ Johannes Ehrnsperger setzt weiterhin beispielsweise auf faire Bezahlung seiner Bio-Landwirte und vergütet sogar erbrachten Gemeinwohlleistungen mit einem Prozent des jährlichen Umsatzes.

Für ihr Bier hatte bereits der Vater eine Erzeugergemeinschaft für ökologische Braurohstoffe (EZÖB) ins Leben gerufen. Die Liefergemeinschaft zählt aktuell über 160 Mitglieder. Diese verbandszertifizierten Bio-Betriebe liegen im Umkreis von maximal 150 km und bewirtschaften rund 9.400 ha Fläche.

Betragsbild: Neumarkter Lammsbräu