Die Lösung des Erlanger Jungunternehmens Compact Greens ist bestechend. Das fünfköpfige Gründerteam hatte während ihrer Schulzeit die Idee für eine kleinen Kräutergarten für die Küchenwand. Die kleinste Ausführung – Oasis – bietet Platz für 12 Kräuterpflanzen oder Salate. Als Grundausstattung gibt es ein Gestell mit Bewässerungssystem und Halterungen für die Setzlinge. „Unser System eignet sich für Menschen ohne grünen Daumen“, ist sich Mit-Erfinder Jonas Frank sicher. Das Team hatte sich schon erfolgreich in der „Höhle des Löwen“ präsentiert und will nun auf der Nürnberger Erfindermesse iENA die Gunst der Verbraucher testen. Die iENA findet bis Montag im Rahmen der Nürnberger Verbrauchermesse Consumenta statt.

Die Produkte von Compact Greens sind eine von insgesamt 580 Erfindungen, die 340 Aussteller aus über 20 Ländern zeigen. „Es gibt tolle Ideen, Prototypen und fertige Produkte“, konstatiert Henning Könicke, Co-Chef des Messemachers AFAG. Er weiß aber auch: „Erfinder haben es nicht leicht.“ Die zündende Idee sei nur ein erster, kleiner Schritt. Dazu komme die produktreife Entwicklung und Zulassungsprozesse, Patentschutz und Markteinführung. Deswegen will die iENA Jahr für Jahr mit einer der weltweit größten Veranstaltungen ihrer Art die Erfinder an die Hand nehmen.
Die iENA ist ein internationaler Treffpunkt der Erfinderszene: Delegationen, Forschungseinrichtungen und Einzelerfinder aus Europa, Asien, dem Nahen Osten und weiteren Regionen präsentieren ihre Innovationen in Nürnberg. 2026 beteiligt sich erstmals eine große Delegation aus Hongkong. Partner der iENA ist dieses Jahr Saudi-Arabien. Allerdings hat der israelisch-amerikanische Irankrieg manch einen Aussteller einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die geplante Anreise fiel teils in den bombardierten Flughäfen aus. Das Programm sieht unter anderem Entwicklungen aus den Bereichen künstliche Intelligenz, Umwelttechnologien und digitale Anwendungen aus Saudi-Arabien vor.
Die Erfinder können sich etwa beim Deutschen Patent- und Markenamt, DPMA oder beim Deutscher Erfinderverband informieren. Der Erfinderverband mit Sitz in Nürnberg biete auch Gründerberatungen an. Außerdem gibt es als eine Art „Kaufhaus der Zukunft“ eine „Finderei“, über die Erfinder ihre Produkte verkaufen können. Til Huber vom DPMA sieht den Erfindergeist wieder im Aufwind. Allerdings haben sich die Patentanmeldungen noch nicht vom Coronaeinbruch erholt. Die Zeit hat anscheinend auch die deutsche Innovationskraft in einen Dornröschenschlaf versetzt. Denn obwohl die Anmeldezahlen seit vier Jahren wieder steigen, komme man „hoffentlich in die Nähe“ der Vorcoronazahlen. Allerdings machen freie Erfinder nur etwa fünf Prozent der Anmeldungen aus. Der Löwenanteil stammt von großen, mittleren und kleinen Unternehmen.
Das Nürnberger Willstätter Gymnasium ist nun zum siebten Mal mit seinen VDI-Schülerforschungszentrum auf der iENA. Ab der siebten Klasse will das Gymnasium den „Erfindergeist von Schülern fördern und ausbauen“, berichtet Lehrer Matthias Gimperlein. „Wir sind Lernbegleiter und schaffen Erfolgserlebnisse über den Unterricht hinaus.“ Das Interesse der Schüler ist fast größer als die Möglichkeiten. Denn das Projekt hat nur knapp 30 Quadratmeter im Keller der Schule. Aber selbst der Termin am Freitag nachmittag scheint die Tüftellust nicht auszubremsen.
