Ethische Werten in der Wirtschaft haben eine lange Geschichte. Das Bild vom ehrbaren Kaufmann in Form eines hanseatischen Händlers ist geradezu sprichwörtlich. Umgekehrt macht das Gebaren vom Immobilienmogul und US-Präsident Trump deutlich, welche Tücken im Fehlen wertebasierter Konventionen liegen. Bislang hat kaum ein Mann an der Staatsspitze seine persönlichen und familiären Interessen der Geldvermehrung so schamlos kultiviert. Sein Jahreseinkommen lag 2025 bei gut 2,2 Milliarden Euro. Jüngsten Beispiel ist sein privates Portal Truth Social, unter dem Dach von Trump Media angesiedelt. Dort bekommt man Trumps börsenbewegende Präsidenten-Posts für monatlich 100.000 Dollar in Echtzeit. Zudem laufen die Geschäfte anderer Unternehmen besser, wenn sie auf Präsidentenkurs agieren. In diesem Kontext lud die IHK Nürnberg zur Inhouse-Veranstaltung „Wirtschaft mit Werten“.
Eigentlich, so Professor Markus Scholz in seiner Keynote, sollten sich Unternehmen um wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen kümmern. Der Professor für Responsible Management an der TU Dresden erinnerte an die sogenannte Friedman-Doktrin, die gern als „The business of business is business“ paraphrasiert wird. Der US-Ökonom und Nobelpreisträger Milton Friedman hatte dies so auf den Punkt gebracht: „Die einzige soziale Verantwortung ist die Profit-Maximierung.“
Gerade mit Blick auf die USA warnte er vor den Folgen, wenn Populisten an die Macht kommen. Dann würden sie etwa die Medienfreiheit einschränken, staatliche Institutionen kapern und Gesetze abschwächen. „Das ist dann ein Problem für Unternehmen.“ Denn sie könnten zwar mit wirtschaftlichem Risiko umgehen, aber Unsicherheit sei die größte Gefahr für Unternehmen. Die Wirtschaft in der westlichen Welt vertraut auf die fundamentalen Grundfesten liberaler Demokratien. Dazu zählt Scholz den Freiraum für langfristige Planung, Investitionssicherheit und Schutz durch ein unabhängiges Justizsystem. Für den Wirtschaftsethiker geht es in der Wertediskussion nicht um ein soziales Thema, sondern um den Erhalt eines interdependenten Systems mit der liberalen Demokratie. „Das ist für uns heute die soziale Marktwirtschaft.“ Wenn sie in Gefahr ist, sei es Recht und Pflicht für Gesellschaft und Unternehmen, die Demokratie zu beschützen.
Scholz lässt keinen Zweifel, worum es geht. Ohne die Sicherheit der sozialen Marktwirtschaft könnten sich Firmenchefs nicht mehr darauf verlassen, dass Preis und Qualität über den unternehmerischen Erfolg entscheiden. Wichtiger wären dann etwa politische Nähe zum Machtzirkel. Das habe man beispielsweise an der Anwesenheit der sogenannten Tech-Bros bei der zweiten Amtseinführung von US-Präsident Trump ablesen können.
Derzeit würden gerade einmal sieben Prozent der Menschheit in einer liberalen Demokratie leben. Im geopolitischen Kontext würden populistische Netzwerke auch Mithilfe von Social Media-Kanälen liberale Demokratien in autokratische Systeme zu verwandeln. In diesem Zusammenhang wäre für den Wirtschaftsethiker „Neutralität eine stille Komplizenschaft“.
