Am diesjährigen Businessplan Wettbewerb Nordbayern 2026 von BayStartUP beteiligten sich 188 Gründerteams mit ihren Geschäftskonzepten. Die hohe Beteiligung zeigt die Breite und Dynamik der nordbayerischen Gründungsszene, auch wenn sie hinter der Gründerlust von München hinterherhinkt. Der dreistufige Wettbewerb registrierte in diesem Jahr mehr als die Hälfte der Einreichungen im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie. In der Sparte Life Sciences wollten 20 Prozent mit ihrem Businessplan punkten. Auf Technologie entfielen 11 Prozent, 16 Prozent setzten auf Dienstleistungen und Sonstiges.
Aus Mittelfranken überzeugte Ligaro aus Ornbau im Landkreis Ansbach die Jury und belegte letztlich den 2. Platz. Das Team entwickelt fossilfreie und ungiftige Klebstoffe für die Holz- und Papierindustrie. Herkömmliche Industrieklebstoffe basieren häufig auf Erdöl und können gesundheitsschädliche Stoffe wie Formaldehyd enthalten. Ligaro arbeitet an einer nachhaltigen Alternative mit hoher mechanischer Leistungsfähigkeit. Die Klebstoffe sind unter anderem für Möbeln, Spanplatten, Parkett und Dämmstoffen gedacht. Ziel ist es, den Verbrauch fossiler Rohstoffe und die damit verbundenen CO₂-Emissionen zu reduzieren. Außerdem könnten sich so gesundheitliche Risiken in der Verarbeitung vermeiden lassen.
„Besonders wertvoll sind für uns das strukturierte Feedback zu Finanzplanung und IP-Strategie sowie der Zugang zu einem starken Netzwerk aus Industrie- und Finanzierungspartnern“, bilanziert Joana Kappes, Co-Founderin von Ligaro. Die Plätze 1 und 3 sicherten sich diesmal zwar Teams aus Würzburg. So überzeugte TigerShark Science mit menschlichen Hautmodellen für eine aussagekräftigere Forschung. Solistiq setzt auf künstliche Intelligenz für eine effizientere Bestandsplanung. Unter den acht Finalisten befanden sich zudem Ailusive und UroPro aus Erlangen sowie WerkUp aus Ansbach.
„Die Rekordzahl von 188 unterschiedlichen Geschäftskonzepten in 2026 zeigt, wie viel unternehmerische Energie und technologische Kompetenz in Nordbayern stecken“, sagt BayStartUP-Chefin Barbara Dombay. „Die teilnehmenden Teams in Phase 3 verfolgen nicht mehr nur eine Idee, sondern haben die ernsthafte Absicht, tragfähige Unternehmen aufzubauen und tragen zur Wirtschaftskraft des Standortes Bayern bei.“ Die Jury bewertete unter anderem die Marktchancen der Geschäftsideen, den Kundennutzen und die Umsetzungsstrategie. Außerdem berücksichtigten sie auch die Finanz- und Kapitalplanung der Teams. Gründer können von der VC-Tochter Bayern Kapital der LfA Förderkredite und Wagniskapital bekommen. Dieses Engagement baut die LfA mit der VC4Start-ups Initiative Bayern weiter aus.
Bayerischer Gründerpreis meldet sich zurück
In gewisser Weise ist auch beim Sparkassenverband Bayern die Gründerlust zurückgekehrt. Nach siebenjähriger Pause meldet sich deren Bayerischer Gründerpreis nun aus München statt wie zuvor aus Nürnberg zurück. In der Kategorie StartUp punktete auch hier die Würzburger TigerShark Science. Weitere prämierte Kategorien waren Aufsteiger, Lebenswerk und Nachfolge. In letzterer überzeugte die Erlanger Apotheke am Bohlenplatz die Sparkassen-Jury. Das Führungsteam habe das Unternehmen erfolgreich in die nächste Generation geführt und die Spezialisierung auf die Augenheilkunde weiterentwickelt. Mit einem hochmodernen Reinraumlabor für Sterilzubereitungen und Spezialrezepturen rund um das Auge versorgt die Apotheke heute Augenärzte und Patienten deutschlandweit.
Fachkräfte fliehen in Gründungen
Bundesweit diagnostiziert der DIHK-Report Unternehmensgründung 2026 ein steigendes Gründungsinteresse. Zumindest legten Einstiegsgespräche und Gründerberatungen der 79 IHKs im letzten Jahr zweistellig auf 171.000 zu. Derzeit wollen Beschäftigte häufiger aus der Not eine Tugend machen. So reagieren sie gerade in industriegeprägten Branchen auf Personalabbau, Insolvenzen und Transformationsprozesse. Dieser Strukturwandel und die technologischen Veränderungen setzen mehr und mehr auch gut qualifizierte Beschäftigte unter Druck. Das führt vermehrt zu Gründungen aus einer Umbruchsituation heraus. „Unser Report zeigt zwar ein steigendes Gründungsinteresse, aber keinen breiten unternehmerischen Aufbruch. Das passt leider zur weitgehend stagnierenden Wirtschaftsentwicklung“, konstatiert DIHK-Präsident Peter Adrian.
