Wer dem leidenschaftlichen Schreinermeister Jürgen Hackeneis zuhört, kommt schnell auf den Gedanken, der Mann habe Späne im Blut. Da widerspricht er augenzwinkernd: „Ich habe ein Herz aus Holz“. Entsprechend laut das inoffizielle Motto seiner 1-Mann-Firma Made By Hacki: „Ich bin darauf spezialisiert, nicht spezialisiert zu sein.“ Das Spektrum, dass er mit seiner Werkstatt in seinem Geburtshaus im Gemeindeteil Ratzwinden von Sachsen bei Ansbach in Mittelfranken abdeckt, ist groß. Er sei ein „Problemlöser für Privatleute und Industrieunternehmen“. Das bedeutet aber auch im Umkehrschluss: „Hier gibt es nichts von der Stange.“
Gerade für Wohnträume aus Holz kann er seine eigene Begeisterung für besondere Materialien einbringen. Die „Freude am Holzduft“, die er als Praktikant in einem Zimmereibetrieb schnupperte, hat er sich bis heute bewahrt. Vor der Werkstatt lagern riesige Zedernplatten. Mit diesem Bestand sei er zugleich der größte Zedernholzhändler in Bayern – mindestens. Außerdem hat er sich venezianische Eiche gesichert, die riesigen Stämme wurden in der Lagunenstadt erneuert und ausrangiert. Sie zeichnen sich durch einen einzigartigen Holzwurmcharakter aus. Im Außenbereich arbeitet er gern mit Reishülsenplatten. Sie bestehen zu 60 Prozent aus Hülsen von Reiskörnern, einem Abfallprodukt der Lebensmittelindustrie. Das mit einem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet Produkt lässt sich in seinem Maschinenpark fast beliebig für Gartenmöbel oder Fassadenverkleidung verformen. Oder er setzt gewebte Vinylböden ein, die als regierungsfreundlich wie Hartböden und zugleich als schallschluckend wie Teppiche gelten.
Als Kleinsthandwerker setzt er auf regionales Denken und Handeln, auch wenn das Qualitätsbewusstsein mehr und mehr verloren gehe. „Das individuelle Einzelstück verliert an Wertschätzung.“ Als Schreinermeister kann und will er mit günstig und billig nicht mithalten. Dafür kann er für Industrie- oder Lebensmittelbetriebe mit maßgeschneiderten Lösungen weiterhelfen. Für Privatleute mit Wohnträumen aus Holz deckt er praktisch alles rund um Fenster, Türen und Böden ab. Zudem kann er fachgerecht vom Möbelstück bis zum Carport alles reparieren, weil er das gute, alte Handwerk beherrscht.
Deshalb bezeichnet er sich auch gern als „Woodworker“. Damit grenzt er sich von denjenigen Hausmeisterbetrieben ab, die glauben, sie könnten fachgerecht mit dem vielseitigen Material Holz umgehen. Sein Rückgrat ist ein stattlicher Maschinenpark. Dazu gehört etwa auch eine handgeführte CNC-Fräse, die die Präzision computergesteuerter Bearbeitung mit der Flexibilität eines handgeführten Werkzeugs kombiniert. Die lässt sich auch einfach mit auf eine Baustelle mitnehmen. Mit seinem Sortiment an sieben Handkreissägen sieht er sich für alle Herausforderungen gerüstet – auch wenn das die Kosten für den obligatorischen E-Check in die Höhe treibt.
Die Vielseitigkeit seiner Arbeit empfindet er als Segen, er liebt die Flexibilität. Mit mehr Kleinstbetrieben wie seinem hätte man kein Problem mit der fachlichen Breite des Nachwuchses, um sie als „Woodworker der Zukunft zu qualifizieren“. Tatsächlich allerdings ist der wirtschaftliche und bürokratische Aufwand für einen Lehrling in seiner Betriebsgröße kaum darstellbar. Deshalb nutzt er zumindest die Möglichkeit, Jahr für Jahr vier bis sechs Praktikanten für das Holzhandwerk zu begeistern. „Das ist mein Beitrag gegen den Nachwuchsnotstand“, denn selbst Praktikantenplätze seien im Raum teils Mangelware. Zudem fehlt es aus seiner Sicht bei vielen mittleren und größeren Betrieben an der Ausbildungsbreite in der Praxis. Sie sind oftmals auf wenige Bereiche spezialisiert.
