Zum Inhalt springen

Siemens baut in Erlangen einen „Leuchtturm“

Die Elektronikfabrik Erlangen wächst im Westen der Hugenottenstadt

Etwas abseits vom weltgrößten Konzernstandort, dem Erlanger Siemens Campus, wächst im Westen der Hugenottenstadt die Elektronikfabrik Erlangen. Das Gerätewerk Erlangen positioniert sich auch als Siemens Technology Campus. In einem ersten Bauabschnitt entsteht zunächst ein Zentrum für Logistik, Service und flexible Automation. Dann entsteht bis 2030 noch ein Zentrum für Entwicklung und Innovation für Leistungselektronik sowie weitere Flächen für Produktion entstehen. Mit der Investition von gut 500 Millionen Euro will der Standort ein weltweiten Vorreiter für Technologie-Aktivitäten zum industriellen Metaverse werden. Das industrielle Metaverse arbeitet mit Technologien wie Künstlicher Intelligenz (KI) und digitalen Zwillingen. Damit simuliert, testet und optimiert es reale Prozesse, Produkte und Anlagen. Erst dann werden sie bevor sie physisch umgesetzt. Auch der Neubau wurde zunächst mit Hilfe eines digitalen Zwillings geplant und simuliert.

Die Planung im virtuellen Raum hat sich schon in der benachbarten Leiterplattenfertigung bewährt. Dort wurde in einer vorhandenen Halle die gesamte Fertigungsstrecke vom automatisierten Bestücken, Löten, Fräsen und Testen am Bildschirm geplant und simuliert. „Die Planungen in einem vorhandenen Gebäude aus den 1970er Jahren ist wesentlich komplexer als auf der grünen Wiese“, sagt Velia Janetzky. Projektleiterin Industrial Metaverse mit Blick auf den benachbarten Neubau.

Mit der bislang gängigen Prozessoptimierung könne man sich auch „kaputt automatisieren“, ist sich Janetzky sicher.
Velia Janetzky. Projektleiterin Industrial Metaverse am Siemens Technology Campus. Foto: Thomas Tjiang

Die neue Fertigungsstrecke ist die Antwort von Siemens auf die industrielle Produktion der Zukunft. Mit der bislang gängigen Prozessoptimierung könne man sich auch „kaputt automatisieren“, ist sich Janetzky sicher. Man könne so zwar die einzelnen Stückkosten minimieren, aber sobald etwa eine Variante gefertigt werden muss, wird es kompliziert. „Die Zukunft der industriellen Fertigung ist schlanker, nachhaltiger und digitaler.“ Mit einem digitalen Zwilling lässt sich die Produktion und damit auch die Arbeitsplätze für Mensch oder Roboter optimal planen. So simulierte man beispielsweise vorab auch die bestmögliche Erreichbarkeit von Teilen. Das Gleiche gilt für das Produktdesign. Die Konstruktionspläne für Leiterplatten können im virtuellen Raum auch darauf überprüft werden, ob sie für einen Roboterarm geeignet sind oder nicht.

Selbst für den Prozess der Bestückung hat sich Siemens für das Training des Roboters fotorealistische Trainingsdaten von einem digitalen Produktzwillings generieren lassen. Dieser Ansatz für das sogannnte Bin-Picking hat den Aufwand für die Datensatz-Erstellung auf einen Bruchteil minimiert. Bei kniffligen Bauteilen, bei denen der Roboter millimetergenau positioniert sein müsste, kam ebenfalls eine andere Lösung zum Einsatz. Der Roboterarm bekam zusätzliche Drucksensoren und eine KI, um leicht abweichende Positionen auszugleichen.

Der Siemens Technologie Campus will ein Leuchtturmprojekt der Made for Germany sein. Deshalb soll der Standort auch ein Schaufenster für Kunden aus der Industrie werden. Denn dort können sie aktuelle Siemens-Technologien von Digitalisierung und Software bis hin zu Hardware im praktischen Einsatz erleben.