Die Nürnberg Messe rechnet für das angelaufende Messejahr mit einem erneuten Rekordumsatz von rund 390 Millionen Euro. „Wir hätten nicht gedacht, dass unser Geschäftsmodell wieder so stark zurückkommt“, sagte Messe-Chef Peter Ottmann. In der Corana-Pandemie bestanden durchaus Zweifel, ob die analoge Begegnung auf Fachmessen sich so erholt. Nun zeige sich, wie zuletzt auf der Druckgussmesse Euroguss zum Jahresuaftakt: „Wir sind mit unseren Messen die Oberbeleuchter der Branchen.“ Man setze die jeweilige Innovationskraft in den einzelnen Communities entsprechend in Szene. Man schaffe in Zeiten von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz eine Plattform, um Vertrauen aufzubauen.
Auch das abgelaufene bescherte den Messemachern vorläufigen Zahlen zufolge einen Rekord. Mit knapp 350 Millionen Euro erreicht man den höchsten Umsatz in einem ungeraden Messejahr. Im auslaufenden Coronajahr 2023 beliefen sich die Einnahmen noch auf 265 Millionen Euro. Turnusgemäß finden etwa aufgrund eines zweijährigen Rhythmus in den ungeraden Jahren weniger Messen statt.
Die Entwicklung 2025 überraschte auch Ottmann, denn „die wirtschaftliche Erholung hatte sich mal wieder vertagt“. Das betrifft allerdings im Wesentlichen deutsche Unternehmen, die sich bei Ausstellerfläche und Besuch zurückhielten. Das Wachstum stamme – vergleichbar mit vielen Dax-Unternehmen – aus dem Ausland. Mittlerweile stammt bei den Einnahmen jeder zweite Euro von ausländischen Kunden. Als Gründe nennt er das richtige Portfolio an Fachmessen. Dazu zählt etwa der Schwerpunkt rund um innere und äußere Sicherheit mit EnforceTac (Sicherheit und Verteidigung). Hinzu kommt die It-Sa als europäische Leitmesse für IT-Security und die Perimeter Protection für Gebäudesicherheit.
Zudem steuern die Auslandsgesellschaften mit einem Umsatz von 70 Millionen Euro gut ein Fünftel zum Umsatz bei. Die griechische Tochter Forum gehört nach dem Kauf der dortigen Messe- und Verlagsgesellschaft O.MIND zur lokalen Nr. 1. Die NürnbergMesse India verstärkte mit der Akquisition des Magazin Woodnews ihr Portfolio an Holzverarbeitungsmessen.
Bei der Vermarktung der Messen setzt sich der Trend der vergangenen Jahre fort. „Es gibt keine Planungssicherheit“, konstatiert Produktmanagerin Petra Wolf. Ein Storno beim Messeauftritt komme genauso schnell wie etwa Änderung bei der Standfläche auf dem letzten Drücker. Auf der Agenda steht bei ihr die datenbasierte Auswertung der Messebefragungen.
Überhaupt treibt die Messegesellschaft mit ihren 16 Service- und Auslandstöchtern ihre Digitalisierung voran. Dazu gehört auch das strukturierte Serviceangebot für Messestände, dass Unternehmen von der Steckdose für den Standbau bis zu Extraservices durch die Angebote lenkt. Dafür hat die Messe ihr Angebote systematisch zusammengestrichen – unter anderem ist der bislang kleinste Messestand nicht mehr zu bekommen. Dieses Angebot kommt in Zukunft auch dem Auslandsveranstaltungen zu Gute. Die Serviceeinnahmen rangieren beim Gesamtumsatz mittlerweile nach dem Flächenverkauf auf Platz 2 – Tendenz weiter steigend.
Auch das Investitionsprogramm kann sich sehen lassen. So wächst das IT-Budget weiter, um die KI-Kompetenz weiter zu verbessern. Der Löwenanteil von über einer halben Milliarde Euro in den nächsten zehn Jahren fließt maßgeblich in die Modernisierung der Frankenhalle einer neuen Halle 3. Kein einziger Euro ist für ein mögliches Kongresscenter Im Zeughaus-Quartier rund um den ehemaligen Kaufhof in der Innenstadt vorgesehen. Der Bedarf an Tagungsfläche mit 800 bis 1.000 Teilnehmern ist zwar seit Jahrzehnten vorhanden. Ottmann stellt aber erneut klar: „Wir werden Mieter kein Investor.“
