Preise haben in Volkswirtschaften unter anderem eine Signal- und Lenkungsfunktion. Abseits einer erratischen Zollpolitik zeigen sie, dass ein Gut knapp ist oder lenken die Nachfrage in eine – politisch – gewünschte richtig. Die britische Zuckersteuer für süße Limonaden ist ein Paradebeispiel. Und so ist es auch eine gute Nachricht, dass durch den CO2-Emissionshandel 2025 21 Milliarden Euro in den Klima- und Transformationsfonds fließen. Dies berichtet die Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt (UBA). Die Einnahmen stammen aus dem europäischen und dem nationalen Emissionshandel und lagen über 15 Prozent über dem Jahr 2024. Die Erlöse fließen vollständig in den Klima- und Transformationsfonds (KTF). So leisten sie einen zentralen Beitrag zur Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele Deutschlands.
„Der Emissionshandel hat sich zum zentralen sektorübergreifenden Klimaschutzinstrument entwickelt. In Kombination mit weiteren wirkungsvollen Maßnahmen setzt die CO2-Bepreisung entscheidende Impulse für den klimaschonenden Umbau unserer Gesellschaft“, sagt UBA -Präsident Dirk Messner. Diese Einnahmen fließen in Programme zum Klimaschutz, wie zum Beispiel in die energetische Gebäudesanierung, in die Dekarbonisierung der Industrie sowie in den Ausbau der erneuerbaren Energien, der Elektromobilität und der Ladeinfrastruktur. „Auf diese Weise schafft der Emissionshandel den notwendigen Dreiklang aus ambitioniertem Klimaschutz, Sozialverträglichkeit und Wettbewerbsfähigkeit.“
Der Europäische Emissionshandel 1 (EU-ETS 1) umfasst die Treibhausgasemissionen aus Energie- und energieintensiven Industrieanlagen, des innereuropäischen Luftverkehrs sowie des Seeverkehrs. Im EU-ETS 1 wurden im Jahr 2025 Auktionserlöse von rund 5,4 Milliarden Euro erzielt. Damit lagen die Einnahmen leicht unter dem Vorjahresniveau (2024: 5,5 Milliarden Euro). Dagegen stiegen die Einnahmen aus der CO2 -Bepreisung im nationalen Emissionshandel (nEHS) für Wärme und Verkehr gegenüber dem Vorjahr deutlich an. Im nEHS lagen die Einnahmen im Jahr 2025 bei rund 16 Milliarden Euro und damit rund 23 Prozent über dem Vorjahreswert.
Verkehrs- und Gebäudewende zu langsam
Im vergangenen Jahr hat Deutschland 640 Millionen Tonnen CO2 – also Treibhausgasemissionen inklusive Stoffe CO2-Äquivalente wie Methan und Lachgas – ausgestoßen. Das entspricht einer Minderung von 1,5 Prozent oder 9 Millionen Tonnen CO2 gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig steigt der CO2-Preis pro Tonne seit 2023 von damals 30 Euro wieder. 2024 lag er bei 45 Euro, 2025 bei 55 Euro. In diesem Jahr liegt er zwischen 55 Euro und 65 Euro. Das sorgt für die steigende Einnahmen. Die CO2-Emissionen liegen im letzten Jahr um 49 Prozent niedriger als im Referenzjahr 1990. Damit hält die Bundesrepublik das nationale Jahresemissionsziel für 2025 ein. Insgesamt fiel die Minderung jedoch weniger als halb so hoch aus wie noch im Vorjahr. Dies zeigen aktuelle Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende für die Bilanz des Energiejahres 2025. Die Emissionsminderung spiegelt aber nur bedingt Fortschritte beim Klimaschutz wider. Immerhin gab es eine Rekorderzeugung mit Solarstrom. Andererseits nennt Agora die Produktionsrückgänge in der energieintensiven Industrie wie etwa Chemie und Stahl.
Im Verkehr und bei Gebäuden sind die Emissionen 2025 laut Agora-Schätzung sogar gestiegen. Auch bei Gebäuden nahm der Öl- und Erdgasverbrauch zum Heizen aufgrund eines kalten Jahresbeginns zu. „Wind- und Solarenergie bleiben auch 2025 das Rückgrat der Energiewende in Deutschland. Allerdings kann der Stromsektor – bisher das Zugpferd der Emissionsminderung – die Versäumnisse beim Umstieg auf Klimatechnologien in Verkehr und Gebäuden nicht dauerhaft ausgleichen“, sagt Julia Bläsius, Direktorin von Agora. „Dabei zeigt der Trend beim Absatz von strombetriebenen Technologien wie E-Autos und Wärmepumpen international nach oben und auch in Deutschland ging es 2025 leicht bergauf. Den Rückenwind sollte die Bunderegierung nutzen: Indem sie die heimische Nachfrage und damit die Industrie stärkt, gelingt Deutschland der Anschluss bei Zukunftstechnologien.“
